Jost Kaiser
"We shall negotiate freely, we shall not negotiate freedom"
John F. Kennedy, 1961
Sauberer Nazi-Sprech mit Franziska Drohsel
Die Juso-Vorsitzende möchte das denken, was Nazis denken, nur irgendwie sauberer ausdrücken
Es gibt Menschen, die stehen morgens auf und sofort meldet sich die quälende Frage zu Wort, mit der sie schon am Abend zuvor ihren unruhigen Schlaf gesunken sind: Wie kann ich dem internationalen Finanzkapital den Garaus machen, wenn ich es wegen der Sache mit den Juden nicht mal so nennen darf? Wie den Kapitalismus fertig machen, wenn auch die Nazis gegen ihn waren? Wie kann ich wie ein Nazi denken, ohne so zu reden?
Es ist das klassische deutsche Problem.
Franziska Drohsel, Juso-Vorsitzende, ist so eine. In der “Welt” hat sie sich Gedanken gemacht, wie man das Problem lösen könnte.
Die Lösung wäre ganz einfach: Wer nicht im antikapitalistischen und dadurch zwangsläufig eben auch antisemitischem Sprachmüll versinken will, der hat nur eine Chance: er muss sich vom Antikapitalismus trennen.
Das will Drohsel natürlich nicht, stattdessen wird jammernd an der Sprachoberfläche des eigentlichen Problems rumgedoktert.
Drohsel über “internationales Finanzkapital”:
“In der Wortwahl steckt unausgesprochen die Behauptung, dem negativem internationalen stehe ein positives nationales Kapital gegenüber. Dies negiert zum einen die strukturellen Zwänge ökonomischer Akteure in kapitalistischen Wirtschaftssystemen, ganz gleich, ob sie nun “national” oder “international” agieren.”
Das übliche Politikseminar-Geschwurbel will sagen: “internationales Finanzkapital” darf man nicht sagen, weil sonst das “nationale” zu gut wegkommt. Und bei “National” läuten alle Alarmglocken. Und damit würde außerdem nur von dem Umstand abgelenkt, dass es das Finanzkapital an sich ist, das böse ist.
Drohsel weiter:
“Lehnt sich linke Politik an diese Redeweise an, muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, antisemitisch zu argumentieren oder zumindest einer solchen Argumentation Vorschub zu leisten.”
Diesen Vorwurf muss sich linke Politik nicht nur dann vollkommen zurecht Gefallen lassen, wenn sie die Worte der Nazis gebraucht, sondern es reicht auch, wenn sie deren Irrtümer teilt. Egal, in welcher Seminarsprache sie die ausdrückt.
Drohsel:
“Auch die Nationalsozialisten teilten das Kapital in “gut” und “böse” auf. Sie sprachen jedoch von “raffendem”, also spekulativem, und “schaffendem”, also produktivem Kapital. Das “raffende” Kapital wurde dann mit den Juden als deren böse Agenten identifiziert, die für alles Schlechte verantwortlich gemacht wurden und deshalb aus der Welt geschafft werden sollten. Das historische Ergebnis dürfte bekannt sein.Das Problem ist nicht der Gegensatz von gutem und schlechtem Kapitalismus, sondern der Kapitalismus an sich.”
Dass das Problem rethorisch nicht zu lösen ist, weil es am ähnlichen Gedankengut von ganz rechts und ganz links liegt, darauf kommt Drohsel nicht. Sie will die saubere antikapitalistische Sprache. Aber es gibt eben keinen sauberen Antikapitalismus. Das ist das Problem.
Normalerweise sind eigentlich kreuzbrave, wirre Bürgerstöchter, die mit dem Gedanken auflaufen: “Wir brauchen eine andere Ordnung” (Drohsel im Tagesspiegel, 8.3.2008) und weiterhin ausführen: “Grundsätzlich würde das natürlich schon bedeuten, dass man das Marktprinzip als gesellschaftsstrukturierendes Element aufhebt”, zu ignorieren.
Anti-Bürgerlichkeit ist Privileg der Bürgerlichen. Anti-Kapitalismus Privileg der Menschen, die am besten im Kapitalismus leben.
Das Drohsel-Problem zorniger junger Frauen löst sich irgendwann. Im schlimmsten Fall, in dem man tot in der Zelle in Stammheim liegt (Gudrun Ensslin), im besten Fall, indem nach dem Lehramts- oder wie im Fall Drohsel Jurisprudenz-Studium die Höchststrafe folgt: Der Staatsdienst oder ein gut dotierter Job im Zentrum des verhassten Systems.
Im Falle des bösen Buben Trittin folgte auf K-Gruppe und Hardcore-Kommunismus die Forderung nach einer Koalition mit der CDU. Ähnlich wird es auch bei Drohsel sein, wenn alles gut läuft.
Vorher werden unschuldige Bäume gefällt, damit Papier mit Versuchen bedruckt werden kann, die saubere antikapitalistische Sprache zu erfinden.
Natürlich vergeblich: Denn der linke und rechte Antikapitalismus gehört untrennbar zusammen, und wird immer zusammengehören, weil er aus derselben deutsch-romantischen kultupessimistischen, antiwestlichen Wurzel entstammt.
Ich hatte gehofft, von der wolle sich Drohsel unter der Überschrift “Juso-Vorsitzende kritisiert linken Antisemtismus” trennen.
Die Kategorien “links” und “rechts” waren nicht nur hier schon immer völlig irrelevant.
All das wäre egal, wäre der Quatsch nicht aus dem Hirn der Nachwuchshoffnung der grossen sozialdemokratischen Partei Deutschlands entsprungen.
Schmidt! Schnauze!
Der sogenannte “Kult” ist das Hobby der Dummen. Wo alles gleich erscheint, versprechen Schrullen und Entgleisungen von früher, auch wenn es sich nur um Dinge handelt, die einst ganz normal waren und heute nur seltsam erscheinen, Originalität und Authentizität.
Und wer sich zum “Kult”, seien es alte Schlager oder DDR-Trikots aus den 70er Jahren, oder sei es eben Helmut Schmidt bekennt, der glaubt er beweise Kennerwissen und Originalitätsempfinden. Letzteres scheitert aber schon meistens daran, dass “Kult” meistens mit geistiger Gleichschaltung und Selbstentwürdigung (man denke nur an die ironisierende Schlagerwelle der 90er) verbunden ist.
“Kult” ist die entkernte Geschichtsbetrachtung für Blöde, für die es schon als Qualitäts- und Originalitätsbeweis, etwa im Falle Helmut Schmidts, reicht, dass der Mann seit 75 Jahren raucht (Rheyno White), Unmengen Cola trinkt und Schnupftabak konsumiert.
Helmut Schmidt war ein guter Kanzler. Er hat die RAF auseinandergenommen. Er hat als intelligenter Mann erkannt, was die russischen SS-20 strategisch bedeuteten, nämlich die strategische Abkoppelung von den USA. Deshalb hat er den Doppelbeschluss erfunden und gegen den Willen des Schwätzers und Amateurs Jimmy Carters und gegen den Willen hysterisierter, irrationaler Apokalyptiker (also fast aller Deutschen) durchgesetzt. Er mochte den Moralapostel Jimmy Carter nicht. Er spielte mit Lennie Bernstein Klavier und hat mit Eschenbach und Justus Frantz ein Klavierkonzert eingespielt. Der Mann mit dem Einstecktuch hat die muffige Bundesrepublik größer erscheinen lassen, als sie war. Das ist keine schlechte Bilanz.
Doch nun sollte er schweigen, wenn er nur das zu sagen hat, was er offensichtlich zu sagen hat.
Ulrike Posche hat sich im “Stern” dem Altkanzler genähert und erklärt, warum “Schmidt “Kult” ist:
“Ein Klartext-Redner ist er, einer, der sich von niemandem etwas verbieten lässt - außer vom Gesetz und seinem Gewissen. Ein Held unserer Zeit. Er sagt, was Gott verboten hat. Er will kein Ideal sein, für niemanden.”
Ich muss zugeben: Ich verehre Helmut Schmidt als Kanzler. Aber nur als Kanzler. Schmidt sollte nur nach seinen Taten als Bundeskanzler beurteilt werden, da schneidet er ganz gut ab.
Angesichts der Dumpf-Weisheiten jedoch, die Helmut Schmidt als sogenannter Elder Statesman verbreitet, ist er weit davon entfernt für mich ein Ideal zu sein.
Umso schlimmer, dass die schlichten Wahrheiten des Mannes aus Wandsbek in Deutschland als sensationelle Offenbarungen gefeiert werden.
Beispiele gefällig?
Schmidt: “Sie sind sich nicht einmal über den Kosovo einig. Zehn Jahre nach der Intervention! Sie sind sich nur einig über den Bau von Drahtseilbahnen und das Beschriften von Zigarettenschachteln”
So redet der Mann vom Stammtisch, das kommt an. Leider. Was die da oben wieder machen und dann Brüssel, das nur die Krümmung der Bananen vermisst und sich mit Zigarettenschachteln und Seilbahnen beschäftigt. Unglaublich originell vom Weltendenker. Dass die NATO das Schlachten im Kosovo beendet hat – wen interessiert das schon angesichts von Zigarettenschachteln.
Schmidt: “”Demokratischer als das Land Putins war Russland nie zuvor.”
Mag sein. Aber Schmidt will sagen: Deshalb sollten wir uns nicht einmischen, wenn die Winde des Wandels durch die russische Steppe wehen und das riesige Rad der Geschichte sich dreht und ein paar Leute, Journalisten, Regierungskritiker, Freaks, zermalmt. Was soll’s.
Schmidt steht, leider, für einen typischen sozialdemokratischen Stabilitätsfetischismus, der Politik nur als Kontakt unter offiziellen Regierungsstellen verstehen kann. Das war schon in den 70ern und achtzigern so. Anders ist es ncht zu erklären, dass die SPD, einst selbst soziale Bewegung von unten, keinerlei Interesse zeigte, sich mit der aufkeimenden Opposition sowohl in Polen (Solidarnosc) noch in der DDR ins Vernehmen zu setzen. Da sprangen die Grünen ein. Und die CIA.
Zusätzlich äusserst unangenehem: Beim Thema Russland wird der alte deutsche Mythos, Russland brauche eine harte Hand, sonst sei es unregierbar aufgefahren. Eine Beleidigung, und wie schon im Fall Polen 1981, Missachtung mutiger russischer Oppositioneller. Dieser Muff aus der deutschen Ideengeschichte ist also die sensationelle Einsicht aus Hamburg, wie wir uns gegenüber Russland, das gerade wieder anfängt seine kleinen osteuropäischen Nachbarn zu bedrohen, verhalten sollten.
Auch in China wird Geschichte gemacht, auch da gibt es Opfer, aber auch da dreht sich eben das große Rad und was sind ein paar Menschenleben im grossen historischen Massstab. In China ist alles knorke, findet Schmidt:
“Es geht der Masse der 1300 Millionen Chinesen - das sind mehr als 15-mal so viel, wie wir in Deutschland haben - besser denn je. Natürlich bringt das auch Ungerechtigkeiten mit sich! Viele Leute wollen auch Auto fahren und können es sich nicht leisten. Viele Leute im Hinterland haben nicht denselben Lebensstandard wie die in Shanghai, in Hongkong oder weiß der Kuckuck. Gerechtigkeit ist doch eine Illusion”
Der Höhepunkt der Schmidtschen Gross-Weisheiten, verbunden mit einem Seitenhieb, der ja immer gut ankommt:
“Ich finde, anderen Ländern beizubringen, wie sie ihr Land einrichten sollen, das sollten wir den Amerikanern überlassen.” “Die Sachsen jubelten, klatschten, feixten wie in alten Zeiten.”
Zustimmungsrate wie in Honecker-Zeiten, das kann man sich vorstellen. Welche Niedertracht darin steckt, dass der Satz von einem Mann gesagt wird, dessen Land es mal ganz dringend nötig hatte, von den Amerikanern gesagt zu bekommen, wie man es einrichten sollte -– haben es die Zuhörer mitbekommen? Oder ist der Ossi-Antiamerikanismus mit dem gehobenen Sozi-Antiamerikanismus endlich ein Bündnis eingegangen?
Nochmal: Helmut Schmidt war ein guter Bundeskanzler. Danach sollte man ihn beurteilen. Und den Fernseher ausschalten, wenn der Elder-Statesman seine Weisheiten auspackt.
Unfassbar, dass die Überlegungen einen Mannes, der selten das Niveau eines Wirthaus-Grantlers überschreitet, in Deutschland als Offenbarungen gelten.
Hymmne an den "Doppelpass"
Wer in Berlin in das Café “FC Magnet” geht, kommt in die Hölle. Es ist die Zitatenhölle des Berliner Trainingsjacken-Milieus. Unten im Keller klebt die Fototapete mit Fussballspinden, oben ist ein Photo der “FC Magnet”-Fussballmannschaft, natürlich komplett in adidas-Oldschool-Jacken eingekleidet. Der unvermeidliche St.-Pauli-Wimpel hängt über der Theke.
Das Elend dieses Milieu (des gesamten sogenannten hedonistischen Milieus) ist, dass man alles ironisieren muss. Fussballanhängerschaft ist immer irgendwie ironisch, man will sich and den ehemaligen Proletensport ranschmeissen, bleibt aber natürlich Akademiker-Milieu. Man will leidenschaftlich sein – aber es bleibt bei der Simulation. Man will maskulin sein und den Männersport zelebrieren – und simuliert sich dann doch eine Welt zusammen, in der allzeit “St. Pauli-Fans gegen rechts” sind, anstatt gegen den menschenrechtsverletzenden Klopperfussballl der eigenen Manschaft und über Gewalt die Nase gerümpft wird (während sie wohl eine unvermeidliche Begleiterscheinung der Massengesellschaft ist).
Hobby-Mannschaften heissen allzeit “Blutgrätsche” oder “Abseitsfalle”.
Die Intelektualisierung des Fussballs hat so weite Kreise erfasst, dass Trost nirgendwo zu finden ist. Mit einer Ausnahme: Bei der Sendung Doppelpass, dem “DSF-Stammtisch” spielen die Teilnehmer ungeniert eben mit jener Stammtisch-Mentalität auf, die im “FC Magnet” nur Ironie sein kann.
Die Szenerie ist unwahrscheinlich und es ist verwunderlich, dass die Sendung, der einzige wirkliche letzte Ort des Fussball-Proleten, noch nicht irgendeiner Zensur zum Opfer gefallen ist: die durch Spesenrittertum und massiven Alkoholmissbruach ausgeleierten Gesichter, die männerbündische Kumpelei, die mental den Daumen immer hinterm Hosenträger hat, der ungezügelte Stammtisch-Populismus, das ungehemmte Gelabere über “Leistung bringen”, “an der eigenen Nase fassen”, das Lamentieren über “die Medienlandschaft” und der unvermeidliche Udo Lattek. Im Hintergrund pfeifen sich rotköpfige Ausflugsgruppen dazu das dritte Warsteiner rein.
Der Doppelpass ist so angenehm, weil der Staamtisch sich in einem Bereich austoben kann, in dem er keinen Schaden anrichtet: Im Fussball. Man kann sich an etwas erfreuen, das, wenn es zum Beispiel um Politik ginge, einem zuwider wäre.
Man möchte nicht wissen, was Udo Lattek über die da oben, oder die Steuerreformm oder Hartz IV denkt. Man will von Udo einen Spruch über Klinsi, Kevin und Ollie.
All das Personal, von Lattek bis Basler ist einem ja irgendwie so schon zuwider, aber es ist unterhaltsam, solange es mit seinen Mentalitäten, die anderswo gefährlich wären keinen Schaden anrichten kann.
Denn das, was im Fussball der Versager ist, der “keine Leistung bringt”, das würde am Politik-Stammtisch zur “sozialen Hängematte”.
Sonntags um 12 sind wir dabei, wenn der Doppelpass kommt. Es steht zu befürchten, dass das Milieu, deren Hobby-Mannschaften immer “Blutgrätsche” oder “Abseitsfalle” heissen, das Trainingsjacken-Milieu, das längst auch weiss. Denn nichts suchen diese blutarmen Ironiker mehr als ” Authentizität”. Hier ist sie.
1 month agoNeue Heimat: Duisburg-Ruhrort, 1981
1981, die Friedensbewegung hatte ihren Höhepunkt erreicht und eine linksnationalistische, müffelnde Verbundenheit mit dem Lokalen eingeführt (“Grassroots”), da kam Schimi und zeigte, wie ein unkitschiger, ernüchternder Heimatfilm geht. “Duisburg-Ruhrort” von 1981, der erste Schimanski-Tatort, war eben vor allem das: ein Heimatfilm.
Und er zeigte diese Heimat nicht verklärend, nach dem Motto: hässlich, aber die Leute sind ja so nett, Schimanski rennt durch eine absterbende Industrielandschaft. Es gibt keine Romantik in den Duisburger Fabrikruinen, es gibt keinen Charme der gescheiterten Existenzen und Alkoholiker – den emfinden immer nur Studenten auf der Suche nach dem “Echten – es gibt nur einen Schimi, der weggehen würde, wenn er nur könnte, aber er kann nicht.
Schimanski wird in einer späteren Folge sagen: “Verdammt, ich will weg”. Thanner: “Dann spar doch dein Geld und verzockts nicht immer.”
Die Idee, dass schmudellig authentisch ist (und Authentizität ist ja die harte Währung für lustige, moderne Grossstadtbewohner) hat hier keine Chance.
Schon die Exposition von Duisburg-Ruhrort illustriert diese Desillusionierung.
Schimanski ist gerade aufgestanden. Sein erster Gang in seinem billig eingerichteten Appartement führt ihn ans Fenster. Er sieht die untergehende Industrielandschaft des Ruhrgebiets. Er sucht etwas zu Essen. Im Kühlschrank findet er nur drei Eier, die er nicht braten kann, denn das gesamte Geschirr ist in der Spüle.
Schließlich kippt er die rohen Eier in einem Glas wie einen Klaren herunter.
Dazu läuft der Song “Leader of the pack” von den Shangri-Las:
I met him at the candy store
He turned around and smiled at me - you get the picture
Thats when I fell for - the leader of the pack
My folks were always putting him down
They said he came from the wrong side of town
They told me he was bad
But I knew he was sad
Thats why I fell for - the leader of the pack.
One day my dad said “find someone new”
I had to tell my Jim we were through
He stood there and asked me why
But all I could do was cry
Im sorry I hurt you - the leader of the pack.
He sort of smiled and kissed me goodbye
The tears were beginning to show
And as he left me on that rainy night
I begged him to go slow
But whether he heard, Ill never know
I felt so helpless - what could I do?
Remembering all the things wed been through
At school they all stop and stare
I cant hide the tears, but I dont care
Ill never forget you - the leader of the pack.
The leader of the pack - now hes gone
The leader of the pack - now hes gone
The leader of the pack - now hes gone…..
Die verlogene Ruhrpott-Romantik wird hier gründlich auseinandergenommen.
Die Idee schmuddelig ist romantisch (wenn es nicht zu schmuddelig ist und ein Bioladen in der Nähe ist) lebt fort in den Hirnen von Studenten und liberalen Freiberuflern, deren Urangst es ist in “zu schicken” Stadtteilen zu leben, die nicht “authentisch” sind und die gerade deshalb in Disneyland-Stadtteilen wie Berlin-Prenzlauer Berg enden müssen.
Der Witz: in Berlin zum Beispiel ist der Westen jetzt der Osten und der Osten der Westen. In Prenzlauer Berg bestimmen jetzt aus dem Westen zugezogene Beamten und Freiberufler die Richtung.
In der Gegend um den Bahnhof Zoo himgegen sieht es aus wie in Bukarest, ca. 1984.
Keiner von denen Prenzl’ Berg-Bewohnern würde jemals in Duisburg-Ruhrort wohnen wollen, oder in Berlin-Wedding oder München-Moosach, obwohl der Niedergang, das Schmuddelige, das Elend der Unterschicht dort sehr real, sehr “authentisch” ist.So handelt Schimanski eben auch von der Dekonstruktion einer verlogenen Romantisierung.
1 month agoDie westliche Star Alliance
(siehe Bild unten)
“We”/”Support”/”Our troops” – es sind gleich drei Begriffe, die Deutsche nicht können.
In Deutschland kennt man kein politisches “Wir”, es sei denn in der unagenehmsten Weise, in der es keine Parteien mehr gibt. Anders Amerika: nirgendwo gibt es mehr Streit, aber die Truppen, sind sie denn ausgerückt sind “unsere” und die werden selbstverständlich “unterstützt”.
“Unsere Truppen” gibt es hierzulande nicht, deren Existenz und deren Aufenthalt in Afghanistan wird peinlich verschwiegen. Und “unterstützt” wird dieser schon gar nicht, denn Deutsche wollen vor allem eins: unschuldig sein.
So ist diese amerikanische Sprache ein ewiger Affront gegen die deutsche Seele.
Ein deutsches Seelchen marschierte denn auch direkt in das nächste Flugzeug, das ich betrat, eine Boeing 767 der Delta Airlines.
“I am not at war” lautete der Button, den die grauhaarige Dame von Platz 29A auf dem Flug von New York nach Berlin trug. Erst hielt ich sie für die übliche liberale Ostküsten-Oma. Dann wäre es wenigstens ein amerikanischer Fundamentalirrtum gewesen, den man als übliche New Yorker Folklore gern hinnimmt.
Doch es war eine Deutsche. Die Vorstellung, dass eine deutsche Missionarin mit diesem Button durch New Yorker Strassen marschiert um den Amis mal so richtig beizubiegen, was für Schweine sie sind und wie einfach das Gute siegen kann, das liess mich peinlich berührt in den Sitz sinken. Es sind genau diese Momente, in denen ich mich schäme, Deutscher zu sein.
Viel reden solche Omas wahrscheinlich von der “Unfähigkeit zu trauern” und ähnlichem Kitsch. Von der Unfähigkeit zur Unpeinlichkeit, stattdessen von der Fähigkeit zur Schamlosigkeit wird leider zu wenig gesprochen in diesem Land.
Zum Glück sass neben mir ein zugewanderter Pole. Den hätte die Button-Oma mal fragen können, was er davon gehalten hätte, Jaruzelski 1981 mit dem Button “Ich bin nicht im Kriegsrecht” in die Schranken zu weisen.
Ich hatte gehofft, dass die Rückkehr in die deutsche Neurose nicht schon in einem amerikanischem Flugzeug beginnen würde, dass ich sie noch ein bisschen aufschieben könnte.
Zum Glück waren die Cheerleaders der Chicago Bulls an Bord. Diese All-American Girls versöhnten mich wieder.
“Wir unterstützen unsere Truppen in Afghanistan” – auf diesen Aufkleber muss ich wohl vergeblich warten. Auf den Lufthansa Jets steht “Halle” oder “Mönchengladbach”.
Deutschland, eine Weltprovinz.
1 month ago