Jost Kaiser
"We shall negotiate freely, we shall not negotiate freedom"
John F. Kennedy, 1961
Wollt ihr mich fairarschen?
Das gibt es schon. Das sicher auch bald:
Fairachtung
fairalbern
Fairarschung
fairnaschen
Fairbannung
fairbeamten
Fairbindungsoffizier
fairblöden
Fairbrecher
Fairdienstzulage
Fairden an der Aller
Fairschwendung
Fairdrängung
Faireinigte Staaten
Fairerbung
Fairfassung
Fairfilmung
Fairgangenheitsbewältigung
Fairgasung
Fairgeltung
Fairgewaltigung
Fairgnügen
Brustfairgrößerung
Fairhaltenstherapeut
Fairhältniswahlrecht
fairhauen
fairprellen
fairhätscheln
Fairhütung
Fairkehrsteilnehmer
fairkohlen
Fairkündigung
fairlassen
Autofairleih
fairletzen
Fairleumdung
Fairlobung
Fairmessung
Fairmittlung
Erhöhung der Fairmögenssteuer
polizeiliche Fairnehmung
Fairwaltungsreform
Fairnichtungslager
Fairmummungsverbot
Fairnissage – der Künstler ist anwesend!
Fairpflegung
Fairbündeter
Fairsandhaus
Fairsammlungsfreiheit
Fairhütung
Fairschwörung
Fairschwendung
Fairsicherung
Fairsorgung
Fairsklavung
Fairstaatlichung
Fairsteckspiel
fairsteuern
Tierfairsuche
Fairteidigung
Fairtonung
Fairwertung
6 days agoDer Staatsschwätzer
Peter Sloterdijk ist so etwas wie der deutsche Staatsphilosoph – unendlich und zu allem schwallt es heraus aus dem Mann mit dem Schnauzer
Wie, liebe Freunde, könnte man die Welt des Sports naheliegend und prägnant beschreiben? Peter Sloterdijk weiß es:
“In ihr feiert die meritokratische Gesellschaft ihre Grundsätze. Sie ist darum, wenn man so will, eine immanent transzendente Zone.”
Die immanent transzendente Zone mit Schnauzbart, Peter Sloterdijk, hat wieder zugeschlagen. Im Spiegel, zum Thema “Tour de France”.
Zweite Frage. Die brennt uns ganz besonders auf den Nägeln. Welcher Konfession gehört eigentlich der Radsport an?
“Der Radsport ist auch hierin strukturell katholisch: ohne Heuchelei nicht überlebensfähig.”
Nur, Peter Sloterdijk, wer ist dann der Martin Luther der Tour de France? Rudolf Scharping ist es, das hat Peterle schon abgecheckt, nicht:
“Nur Berufsheuchler wie Rudolf Scharping mussten so tun, als bräche für sie die Welt zusammen, als Jan Ullrich sich erwischen ließ. Was für ein Unfug! Seit langem ist doch jedem klar, dass ein Sportprofi immer einen zweiten Beruf ausüben muss, den des Vorbilddarstellers. Die Professionalisierung macht vor der Lüge nicht halt. Wer nicht heucheln kann, kann auch nicht Rad fahren.”
Peter kann ganz besonders gut Radfahren. Rudi hingegen bringts einfach nicht in den Augen von Peter. Macht aber nichts. Hauptsache man kann Gott und die Welt, Dies und das und jeden Scheiss und Dreck irgendwie zusammenschwafeln:
“Die Italiener können es einfach nicht fassen, dass da oben im Norden schon wieder protestantische Barbaren ihr Unwesen treiben. Die glauben im Ernst, wir sind verrückt geworden. Doch Italiener und Spanier sind Angehörige einer Kultur, in der die Abspaltung des Scheins vom Sein zur populären Metaphysik gehört. Die Deutschen, speziell die protestantischen, wollen dagegen die Wörter und die Dinge wieder zur Deckung bringen. Wir sind, glaube ich, die einzige Nation auf der Welt, wo man an ehrliche Neuanfänge glaubt. Wir bleiben unberechenbar, 1945 wurden wir demokratisch, 2007 dopingfrei.”
Man wünschte sich, der Führer wäre schon etwas früher dopingfrei geworden, er war ja dann in diesem Punkt sozusagen eher Angehöriger der Kultur, in der die Abspaltung des Scheins vom Sein zur populären Metaphysik gehört. So wie der Duce.
Auschwitz war ungültig, der Führer war gedopt. Wie sehr wir Deutschen, Angehörige einer Kultur, in der die Anspaltung von Sein und schein eben nicht zur populären Metaphysik gehört, an den Neuanfang glauben, hat man nach 1945 gesehen. Dieser phänomenale Neuanfang ist in Filmen wie “Blumen für den Staatsanwalt”, sowie in Affären wie Globke und Witwenrente für Frau Freisler ja hinreichend festgehalten.
Wie hätte eigentlich so ein richtig schöner Neuanfang in barocker-katholischer Manier ausgesehen, also in der populär-metaphysischen Anti-Rudi-Scharping-Abspaltungskultur, die Peterle so bockstark findet? So wie in Italien, barocke metaphysische Abspaltungs-Brigate Rosse, dieser Speerspitze des locker-lebenslustigen Katholiztismus, inklusive.
Was sagt man, wenn man ausdrücken will, dass Sportler irgendwie, wie Popstars Medienstars sind, aber diese Binse nicht so banal ausdrücken kann, weil man ja Prof. Drs. Peterle Sloterdijk ist und der Anschwallpflicht unterliegt?
“Der Sport bildet eine Modellwelt, in der sich alles, was man aus der Durchschnittswelt kennt, in einer höheren Verdichtung darstellt. Hier gelten dieselben Werte wie anderswo, aber eben in Reindarstellung.”
So schwallt es weiter bis zum bitteren Ende und endgültigen Abspaltung des metaphyschen Peter Sloterdijk.
1 week ago
"Spekulanten sind Mörder"
Die LINKE, die tägliche Weltkatastrophe und eine Sprache im Ausnahmezustand
Seit einiger Zeit bekomme ich die Pressemeldungen der Linken. Unglaublich fleissig sind sie dort im Rosa-Luxemburg-Haus am Rosa-Luxemburg-Platz.
Doch die Welt wie die Linke sie sieht ist nicht rosa. Düster dröhnt es aus der Linken heraus. Mal ist gibt sich die Linke hochmoralisch, dann wieder als Pfennigfuchser, Im Fall des Bundeswehreinsatzes auch mal beides zusammen.
Mit derartiger Frequenz wird aus dem weissen Gebäude der Unmut über den Zustand der Welt herausgebrüllt, dass der Erregungszustand eigentlich nur einen Level kennt: Am Limit.
Die Sprache der Linken kennt eigentlich nur Superlative und wer eine Woche mit der Linken hinter sich hat, der weiss ein trausriges Lied zu singen, gespickt mit den Lieblingswörtern der linken Kitschsprache, in der die Mächtigen mindestens ignorant, wenn nicht sogar allzeit “zynisch” sind, die Linke hingegen “unbequeme Wahrheiten” ausspricht. Nun weiss jeder: Die angeblich unbequemen Wahrheoiten sind zumeist immer die bequemsten.
Man kommt also am Montag rein und holt sich erst mal einen Kaffee, liest Zeitung, ist noch ein wenig vom Wochenende mitgenommen, da bolzt schon die Linke los und gibt einem Bescheid, wie es um die Welt bestelllt ist: Schlecht. Ganz schlecht.
Denn, Pressemitteilung von Petra Pau:
“Das Schäuble-Netz wird immer engmaschiger. Keine Bürgerin und kein Bürger kann heute noch wissen, wer was über sie weiß.”
Das findet Petra Pau nicht gut. Denn in der DDR gab es in diesem Punkt ganz andere Sicherheiten. Da wusste jeder, wer was wusste, nämlich die Stasi, und was die Stasi wusste: Alles.
Kaum hat man sich von dem engmaschigen Schäuble-Schock erholt, ist das Schweinesystem Kapitalismus zum ersten mal an der Reihe.
Siemens streicht Stellen. Für Klaus Ernst ist die Lage seinem Namen dementsprechend: ernst.
“Der Siemens-Vorstand darf mit den Methoden einer kriminellen Vereinigung nicht durchkommen.”
Das Strafgesetzbuch erwartet nach Machtübernahme durch die Linken also einen neuen Straftatbestand: Wer entlässt ist kriminell.
Nach krimineller Vereinigung und engmaschigen Schäuble-Netz nimmt sich, allles noch am Montag, die Linke der Weltpolitik an. Zustand: Wie erwartet entsetzlich. Thema: Schnelle Eingreiftruppe der Bundeswehr.
“Die Schnelle Eingreiftruppe kann auch nicht den Wiederaufbau unterstützen. Denn Wiederaufbau ist mit Waffengewalt nicht zu erzwingen, sondern wird durch Krieg und Besatzung verhindert.”
Die Linke, und darauf freuen sich die Afghanen sicher schon, wird den Wiederaufbau allein mit der Kraft ihres guten Willens erzwingen. In Afghanistan fließt dann nicht mehr Blut, sondern Milch und Honig. Einfach, weil die Linke es so will!
In Afrika steht es auch nicht zum besten. Findet Hüseyin Aydin:
“DIE LINKE lehnt die von Erzbischof Desmond Tutu geforderte Entsendung von UN-Truppen nach Simbabwe ab. “Eine Lösung kann nicht von außen aufgezwungen werden, sie muss aus Afrika selbst erwachsen”, sagt Hüseyin Aydin, Obmann der Fraktion DIE LINKE im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung”
Was hilft stattdessen?
“Um die Krise in Simbabwe zu überwinden, müssen AU und SADC ihre Bemühungen, zwischen Regierung und Opposition zu vermitteln, deutlich intensivieren und zugleich Druck auf die Hardliner des Mugabe-Lagers ausüben. DIE LINKE fordert Bundesregierung und EU auf, den Vermittlungsprozess durch finanzielle Hilfen und politische Unterstützungsangebote zu fördern.”
Haben Sie’s verstanden? Wie soll jetzt noch mal das Terroregime von Mugabe an einer weiteren ZUgabe gehindert werden? Irgendwas mit Unterstützungsangeboten. George W. Bush hilf. Ein paar Marines wären auch nicht schlecht.
Was will eigentlich die Europäische Zentralbank. Herbert Schui weiss es:
“Sie will mit hohen Zinsen die Arbeitslosigkeit nach oben treiben, bis die Nachfrage nach Energie und Lebensmitteln deutlich nachlässt.”
Aha, das will sie also, die Europäische Zentralbank, in der man in der Vorstelleung von Herbert Schui garantiert mit Zigaren und Melone, also so wie in einem Dix-Gemälde herumsitzt und nur ein Ziel hat: Den kleinen Mann in die Verzweriflung und das Elend treiben.
Was ist die Alternative? Es war nicht alles schlecht in der DDR:
“Die Rekordinflation muss anders bekämpft werden. Bei Energie und Lebensmitteln sind wirksame Preiskontrollen notwendig.”
So wie in der DDR. Das Benzin war da ganz billig. Es gab nur nicht so viel davon.
Nach einigen wie immer höchst alarmierenden 10-Zeilern zur “Erwerbsminderungsrenten” und zum “Haushaltsentwurf 2009” (Alles Scheisse), sowie einer kryptischen Meldung aus dem Hause Dieter Dehm (“Köhler legt Lissabon auf Eis”), steuert die Linke, nach Schäuble-Netz, EZB-Schweinen und Siemens-Verbrechern auf die Kür des Links-Empörungs-Kitsches zu.
Es ist die Quintessenz der Linken, wenn Ulrich Maurer mal eben so aus dem Handgelenk geschüttelt bekannt gibt:
“Spekulanten sind Mörder”
Zu den neuesten Meldungen aus den USA, wonach Hedge-Fonds das Spekulieren mit steigenden Lebensmittelpreisen verboten werden soll, erklärt Ulrich Maurer, parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE:
“Selbst im Land des unbegrenzten Kapitalismus gibt es jetzt erste Bestrebungen, Hedge-Fonds die menschenverachtende Spekulation mit Lebensmitteln zu verbieten. In Deutschland ist man so weit noch lange nicht, man übt sich in der Vogel-Strauß-Taktik und steckt den Kopf vor den ach so bösen Heuschrecken in den Sand. Fakt ist aber: Spekulanten sind Mörder.”
Fast möchte man nach diesem Metapherngewitter, vollgestopft mit allen Klischees, die die Linke zur Verfügung hat in den altbekannten DDR-Chor einstimmen:
Der Maurer muss weg!
Am Donnerstag schließlich meldet sich noch einmal die umtriebige Gesine Lötsch zu Wort. Ganz genau weiss sie nicht, was sie mehr aufregt.
Das Geld oder die Gewehre. Gesine weiss wutentbrannt über Verschwendung in Afghanistan zu berichten:
“Offensichtlich gelten für den Verteidigungsminister ganz besondere Regeln. Wenn es um die Finanzierung eines ausweglosen Krieges geht, da spielt auf einmal Geld keine Rolle, da ist von Sparsamkeit keine Rede mehr, da kann man auch ohne Kostenvoranschlag in den Krieg ziehen.
Am Hindukusch wird zwar nicht unsere Freiheit verteidigt, dafür aber werden unsere Steuergelder verbrannt.”
Und so endet die LINKE-Woche mit einer skurrilen Mischung aus streberhaftem Buchhalter-Gemaule gepaart mit schlaumeierischer Zitat-Abwandlung.
Es ist diese dröhnende metapherngesätigte, auftrumpfende immer zu dick auftragende Sprache der Dauererregten, die einem die Linke so zur Hölle werden läßt.
Lesen tuts wahrscheinlich eh keiner. Außer mir.
Was ist Politik? (I)
Der kleine Mann hat nur ein politisches Glaubenbekenntnis: Die da oben. Mit dieser ewigen Fiktion will er von der Tatsache ablenken, dass es eine politische Holschuld gibt.
Aber das interessiert ihn nicht. Die sogenannte “Politikverdossenheit”, das Zauberwort des “kleinen Mannes”, mit der er, von der Politikwissenschaft befeuert, sein totales Desinteresse am harten Geschäft der Politik adelt, ist seine Lebenslüge.
Mit was sich die angeblich abgehobenen Politiker, “die da oben”, täglich herumschlagen müssen – daran hat mich Hildegard Pfaffs Pressemeldung erinnert.
Ein Lob auf Hildegard Pfaff und all die anderen, die täglich an der Front stehen, um Strassenbau und LKW-Stellplätze und all die anderen Sachen kämpfen, die der kleine Mann zwar selbstverständlich benutzt, aber nicht goutiert.
Ein Lob den Hildegard Pfaffs!
Hildegard Pfaff (SPD): „Forderungen der FDP überlegenswert“
Aus Gründen der Verkehrssicherheit hält die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Hildegard Pfaff die Forderung der FDP-Landtagsfraktion nach mehr LKW-Parkplätzen an den Autobahnen für überlegenswert. Zwar sei der Bund mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bereits auf dem richtigen Weg – 11.000 zusätzliche Parkplätze bis 2015 -, allerdings sollte das Land im Eigeninteresse flankierende Maßnahmen ergreifen. „Wenn wir wollen, dass Brummifahrer die Ruhezeiten einhalten, müssen sie auch ausreichende Parkmöglichkeiten haben“, sagte Pfaff am Donnerstag in Wiesbaden.
Die Problematik sei aber nicht neu. Schon in der letzten Legislaturperiode habe die SPD-Fraktion mit einer Großen Anfrage im Landtag auf die LKW-Parksituation an hessischen Autobahnen und die Mitverantwortung des Landes aufmerksam gemacht.
Skeptisch beurteilen die Sozialdemokraten allerdings die Überlegung der FDP, LKW von den Autobahnen zum Parken in die Gewerbegebiete der Städte und Gemeinden zu lenken. „Ein Gewebegebiet in der Nacht zum Schlafsaal für LKWs zweckentfremden, ist sicherlich nicht das, was sich die Kommunalpolitik bei der Erschließung neuer Gewebeflächen vorgestellt hat“, so Pfaff. Man habe dann zwar das Problem fehlender LKW-Parkplätze an Autobahnen gelöst, aber gleichzeitig jede Menge neue Probleme für die Kommunen geschaffen. „Lösungen zu Lasten Dritter helfen nicht weiter.“
Interessanter sei die Forderung der Liberalen nach telematischen Leitsystemen sowie einer alten SPD-Forderung, verstärkt Schienen und Wasserstraßen zum Gütertransport zu nutzen. „Hier sehen wir eine große Übereinstimmung mit unserem Landtagswahlprogramm“, erklärte die Sozialdemokratin.
Annegret Schäfer
Pressestelle
SPD-Landtagsfraktion
Tel. 0611 / 350 521
Fax: 0611 / 350 513
3 weeks ago
Satz des Tages
Was ist eigentlich so richtig zynisch?, fragen sich viele.
Dieter Dehm, Vorsitzender der Linkspartei in Niedersachsen, weiss es:
“Es ist geradezu zynisch, wenn die Bundesregierung feststellt, dass der EuGH erstmals zu dem Spannungsverhältnis zwischen den gemeinschaftsrechtlichen Grundfreiheiten und kollektiven Maßnahmen Stellung genommen hat und dadurch den Tarifvertragsparteien Kriterien an die Hand gegeben hat, an denen sie ihr Verhalten in Zukunft ausrichten können.”
Dieter Dehm hat ja immer schon für kleine, dicke Männer getextet. Nur dass die früher Gitarre spielten und heute mit Ressentiments.
Und früher hat er das mit dem Spannungsverhältnissen auch nicht so negativ gesehen:
“Du wolltest dir bloß den Abend vertreiben
und nicht grad allein gehen und riefst bei mir an
wir waren nur Freunde und wollten’s auch bleiben
ich dacht nicht im Traum dass was passieren kann
Ich weiß nicht wie ewig wir zwei uns schon kennen
deine Eltern sind mit meinen damals Kegeln gefahren
wir blieben zu Hause du schliefst ein vorm Fernsehen
wir warn wie Geschwister in all den Jahrn
Tausend mal berührt
tausend mal ist nix passiert
tausend und eine Nacht
und es hat zoom gemacht
Erinnerst du dich wir haben Indianer gespielt
und uns an Fasching in die Büsche versteckt
was war eigentlich los wir haben nie was gefühlt
so eng nebeneinander und doch gar nichts gecheckt
War alles ganz logisch wir kennen uns zu lange
als dass aus uns nochmal irgendwas wird
ich wusst wie dein Haar riecht und die silberne Spange
hat ich doch schon tausendmal beim Tanzen berührt
Tausend mal berührt
tausend mal ist nix passiert
tausend und eine Nacht
und es hat Zoom gemacht
Oh wie viele Nächte wusst ich nicht was gefehlt hat
wär nie drauf gekommen denn das warst ja du
und wenn ich dir oft von meinen Problemen erzählt hab
hätt ich nie geahnt du warst der Schlüssel dazu
Doch so aufgewühlt hab ich dich nie gesehen
du liegst neben mir und ich schäm mich fast dabei
was war bloß passiert wir wollten tanzen gehen
alles war so vertraut und jetzt ist alles neu jetzt ist alles neu
Tausend mal berührt
tausend mal ist nix passiert
tausend und eine Nacht
und es hat Zoom gemacht
Tausend mal berührt
tausend mal ist nix passiert
tausend und eine Nacht
und es hat Zoom gemacht
Tausend mal berührt
tausend mal ist nix passiert
tausend und eine Nacht
und es hat Zoom gemacht”
Die Sprache des Unmenschen
Was ein Heinzungsinstallateur aus Sachsen so alles erlebt, weil er etwas tat, was dortselbst offensichtlich als Affront gilt: Er setzte sich für die Demokratie ein.
Im Sommer 2007 besuchte ich Olaf Bonk im sächsischen Grimma – der Ort aus dem Ulrich Mühe stammt.
Bonk ist hat dafür gesorgt, dass in seinem Ort ein Jugendclub geschlossen wurde, in dem sich die rechte, inzwischen wohl als Mainstream zu bezeichnende Pimpf-Kultur ihren Nachwuchs heranziehem wollte.
Wir leben in unseren liberalen Grossstädten wohl alle in einer Blase. Eine Blase in der die Demokratie so gefestigt erscheint, dass sie ununterbrochen ironisiert wird und Radikalismen nur Modegags sind.
Hier ein Portrait über einen, der an der Front steht und zwar da, wo die Demokratie und der Liberalismus nicht nur verteidigt, sondern vielleicht erst erkämpft werden muss.
Oben dann der Abdruck eines Flugblattes, mit dem Männer wie Bonk sich konfrontiert sehen. Es ist die Sprache des Unmenschen, die einen erschaudern lässt.
Spassvögel aus Berlin-Mitte und Prenzlberg mal herhören. Es gibt noch etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt: Die Demokratie.
Und für alle, die Übersetzungshilfen für die Sprache des Unmenschen brauchen:
heimattreu/Heimatbewusstein=neo-nationalsozialistisch
Individualismus/Egoismus=Demokratisch=Undeutsc
politischer Gegner=NPD-Anhänger, damit soll sugerriert werden, die NPD sei eine normale Partei und deren Gegner intolerant
Bekleidung=eindeutig neo-nationalsozialsitisch zuzuordnende sog. Szene-Kleidung
Jugendclub/ernstzunehmender Alternativtreff=Nazi-Rock hören, Erziehungsstätte für neo-nationalsozialistischen Nachwuchs
„Das kann nicht sein”.
Wie der Heizungsinstallateur Olaf Bonk unfreiwillig zum Politiker wurde
Die Idealfigur des Engagierten - das ist Olaf Bonk nicht. Denn diese Figur, das ist der edle, aufgeklärte, randvoll mit historischem Bewusstsein abgefüllte Mensch. Hoch sensibilisiert geht er durch seinen Wirkungskreis, immer im Kopf das Mantra:
“Wehret den Anfängen!” So stellt sich das die Politik vor. Engagement, das
muss immer aus dem richtigen historischen Bewusstsein entspringen,
angereichert mit ordentlicher “Nie Wieder”-Theatralik.
Und dann gibt es Leute wie Olaf Bonk. Bonks Mantra lautet anders. Eines
Tages sagte Olaf Bonk: “Das kann nicht sein”. Um zu sagen “Das kann nicht
sein” brauchte Bonk keine Faschismustheorien, keine soziologische Studien
über die autoritäre Ost-Persönlichkeit, kein Motto, keinen Verein und keine
hysterische Kitschtante wie Lea Rosh. Er brauchte nur Augen im Kopf und
Ohren um zu hören.
Was nicht sein konnte, “weil es sich nicht gehört”, das waren Neonazis im
“mit öffentlichen Geldern” (das betont Bonk) geförderten Jugendklub von
Dürrweitzschen. “Mein Junge hatte mir erzählt: Die hören da Nazi-Musik”,
sagt Bonk. “Freunde, das hat doch mit einem Jugendclub nichts zu tun”,
dachte sich Bonk. Links, Rechts - “Was soll das in einem Freizeitheim”,
fragte Bonk sich. Und andere. Den Bürgermeister zum Beispiel. Antwort: den Ball flach halten, worüber nicht geredet wird, das gibt es nicht.
Später stellte sich aber heraus: es gab noch viel mehr. Nicht nur, dass im Jugendclub Dürrweitzschen Neonazi-Musik aus der Konserve kam, sondern dass es mehrere Konzerte von Nazi-Rockbands gegeben hatte, mit mindestens zweihundert aus ganz Deutschland angereisten Rechten,
darunter der prominente Neonazi Wettzocke, der gerade aus dem Knast entlassen worden war.
Bonk, FDP-Kreisvorsitzender, aber ohne offizielles Amt, sorgte im
Gemeinderat dafür, dass der Jugendclub geschlossen wurde. Und bis heute
nicht wieder aufgemacht hat. “Ich hatte das Gefühl, das ist so eine Art
Stabszentrale”, sagt Bonk. Seitdem ist Bonks Haus auch eine Art Stabszentrale. Der Gegenbewegung. Bonk setzte auch durch, dass Jugendbetreuerin entlassen wurde. Frau Mellert, genannt Nazi-Mutter, hatte Kindern in einem anderen Jugendclub
bei Ungehorsam schon mal mit kahl den geschorenen Schlägertrupps aus
Dürrweitzschen gedroht. Denen stand sie offensichtlich nicht fern und versuchte diese nun als pädagogische Züchtigung einzusetzen.
Der Bürgermeister jedenfalls wollte den Jugendclub nach vier Wochen wieder
aufmachen. Doch da war Bonk vor: er alarmierte den sächsischen FDP-Abgeordneten Torsten Herbst. Der stellte für Bonk eine kleine Anfrage an das sächsische Innenministerium bezüglich “Rechtsradikales Treiben im Jugendclub
Dürrweitschen”, Drucksache 4/3873. Das Innenministerium wiederum nahm jetzt
den Bürgermeister Rolf Schneider ran. Bonks Frage “Ralf, wie kann denn das
sein” war beim Bürgermeister nicht auf befriedigendes Echo gestoßen. Fand
Bonk. Und zog andere Seiten auf.
In einer kleinen Gemeinde wie Thümmnitzwalde mit 3000 Einwohnern ist das
eine schwer politische Tat. Das ist wie im Bund der Atomausstieg. Nur, dass
man es in einer 3000-Einwohner-Gemeinde direkter mit dem politischen
Subjekt, dem Bürger, zu tun bekommt. Und das kann unangenehm werden.
Es gab Schmierereien im Ort in “Stürmer”-Manier: “Heuchler, Lügner und
Betrüger Bonk u. co” stand an der Wand des Edeka-Marktes. In einem Flugblatt
der “Nationalen Sozialisten” wurde Bonk als “Nestbeschmutzer” bezeichnet,
der “Zusammenarbeit mit Jugendlichen” ablehne. “Wenn man aber so vorgeht,
darf man sich nicht wundern, wenn diese es ihm gleichtun und andere Wege
suchen, um auf Probleme aufmerksam zu machen”. Es war bereits die unterschwellig drohende Sprache derjenigen, die den letzten, den wichtigsten Konsens aufkündigen: Elias Canetti sah Parteien als symbolisierte Heer, das Gegenübersitzen dieser Heere sei erinnerte Schlachtordnung der Kriege. In Dürrweitzschen gingen die Heere wieder zur realen Gewalt über, zum Krieg. Das Ende des essentiellen Demokratie-Konsenses der Gewaltlosigkeit.
Im Februar 2006 war Bonk bei einer Gemeinderatssitzung, in der es wieder mal
um den Jugendclub Dürrweitzschen ging. Und es auch wieder um die kleinen und
großen Zeichen, dass in der Gemeinde Muldental etwas nicht stimmt. Es ging
um Aufkleber wie “Nein Gerald, Du bist nicht Deutschland, Du bist BRD”, die
sich auf den Nationalspieler Gerald Asamoah bezogen. Es ging um einen
polnischen Apfelflücker, den die Neonazis durchs Dorf gejagt hatten. Es ging
um “Rudolf Hess” Parolen am Bushäuschen, und die Hakenkreuze überall.
Als Bonk aus der Sitzung kam und sich ins Auto setzte, stieg ihm ein Gestank
in die Nase. “Ich dachte erst, da sein ein totes Tier im Motorraum”. Es war
kein totes Tier, es war verfaultes Fischfett. Das hatten ihm Neonazis in die
Gummidichtungen geschmiert. Zusätzlich war die Motorhaube mit Sandstrahlsand
bestreut, der sich in den Lack geätzt hatte. Davon beginnt die Farbe von
innen nach außen zu faulen. Gesamtschaden an Bonks weißem 7er BMW: 3500,-
Euro. Wie in den Lack, so haben sich auch die Neonazis durch die Oberfläche hindurch in den Organismus des Kreises Muldental gefressen. Sie vergiften die Blutbahn.
Bonk wurde das Hauptziel der Neonazis im Kreis, und wenn Bonk das
erzählt, will der kräftige Mann den Eindruck erwecken, als haue ihn das
nicht um. Olaf Bonk ist kein Theoretiker, die üblichen soziologischen Floskeln zu
Neonazis gehen ich nicht über die Lippen. Autoritäre Persönlichkeiten.
Entbürgerlichung des Ostens, oder ähnliches. Olaf Bonk ist ein
Handwerker-Typ. Heizungsinstallation. Er hat einen kräftigen Körper, große, raue Hände, mit denen baut er Grillgeräte in 8-Tonner-LKWs und macht diese zu fahrenden Hühnerbratereien.
Bonk will Harmonie. Er will eigentlich seine Ruhe. Man könnte aber auch sagen: Frieden. Die Nazis störten diese Ruhe. Alles, was Bonk jetzt ist, wurde er unfreiwillig. Einfach, weil kein anderer da war. Hat er jetzt Unterstützung? “Ja”, sagt Bonk. Dann kommt lange nichts. “Der Friedemann Affolderbach und die Solveig Höppner”. Das sind Mitglieder des “Mobilen Beratungsteams” des Büros für “Demokratische Kultur Sachsen”. Auswärtige. “Nestbeschmutzer”, nach der Diktion der “Nationalen Sozialisten”. Allein fühlt sich Bonk trotzdem nicht, bedroht auch nicht.
“Da muss schon mehr passieren”, sagt Bonk. Man will das glauben und nicht
darüber nachdenken. Wie ist das, wenn man abends ins Bett
geht, und am nächsten Morgen ist das Haus mit Farbbeuteln mit Ölanteil beworfen worden, die sich durch die Fassade bis in die Wärmeplatten hindurchfressen.
Bonk ist das im Februar 2007 passiert. Man will sich auch nicht ausdenken
wie man sich fühlen würde, wenn man anschließend feststellt, dass das
beschmierte Haus eine Art Wallfahrtsort für offensichtlich rechte Touristen
nicht nur aus der Umgebung wird, die mit ihren Autos Bonks Haus anfuhren,
kurz ausstiegen und wenn Bonk kam, wieder verschwanden - ohne Hektik, so wie
es sendungsbewusste Menschen tun, die wissen, dass ihre Zeit noch kommt.
Manchmal war sein Sohn allein zu Haus. “Der hat sich wieder gefangen”, sagt
Bonk.
Bonk auch. Doch die Einschläge rücken näher. Nach diesem Vorfall kam der Staatschutz. “Ich sollte erst bewacht werden, weil wegen des FDP-Vorsitzes als Politiker eingestuft wurde”, sagte Bonk. Doch die Idee wurde fallengelassen. Bonk war ihnen wohl zu klein, zu unwichtig. Doch das war ein Irrtum. Das Fischfett, die Dieselbeutel an der Hauswand, die haben Bonk tatsächlich zum Politiker gemacht. Unfreiwillig. Ein Mann in der Sorge um die Res Publica, der eigentlich ruhiger treten wollte. Kegeln, mit seinem Jungen Fussball spielen. So was. Jetzt steht er an der Front der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Einfach weil kein anderer da war. Bei der nächsten Wahl will er gegen den Bürgermeister Ralf Schröder antreten.
Es ist früher Nachmittag, hoch steht die Sonne über Bonks beschmutzen Haus, ein schreckliches Fanal gegen die Bürgerlichkeit. Hoch steht die Sonne über den Plantagen der Sachsenobst GmbH. Eine Idylle. Bald ist Erntezeit.
Das Netzwerk für “demokratische Kultur” Sachsen meldet für diesen Tag: „In der Nacht zum Donnerstag wurde an der Hauptstraße in Bennewitz ein Dönerstand mit Hakenkreuzen und der Parole ‚Deutsche wehrt Euch, kauft nicht bei Juden’ beschmiert’”.
Der wahre Satz des Tages
“Alle Fortschritte (im Irak) wären dahin, wenn Senator Obama seinen Willen bekommen und damit begonnen hätte, unsere Truppen aus dem Irak abzuziehen, ohne die Lage zu berücksichtigen und auf den Rat der Befehlshaber vor Ort zu hören. Die Amerikaner sollte das Urteilsvermögen eines Präsidentschaftskandidaten beunruhigen, der persönlich und ohne Bedingungen mit Diktatoren zwischen Havanna und Pjöngjang reden will, aber bisher nicht in den Irak zu einem Treffen mit General Petraeus gereist ist, um sich selbst ein Bild von dem Fortschritt zu machen, den er zunichte zu machen droht.”
“Americans ought to be concerned about the judgment of a presidential candidate who says he’s ready to talk, in person and without conditions, with tyrants from Havana to Pyongyang but hasn’t traveled to Iraq to meet with Gen. [David] Petraeus and see for himself the progress he threatens to reverse”
John McCain
1 month ago