December 13, 2008
November 2, 2008

Worte, die ich leider nie gesagt

Ich bin Mitglied in einem Fitnessclub. Bekanntlich sind das keine Orte des Geistes und sie sind keine politischen Orte. Oder eben doch. Ich sah jedenfalls einen Mann mit dem T-Shirt-Spruch: “Don’t panic, I’m islamic.”


Lieber Yussuf, lieber Mustaffa, lieber Ahmed, lieber Tonguc! Ihr denkt Ihr werdet in Deutschland diskrminiert, weil Ihr Muslime seid? Meint Ihr das ehrlich? Das T-Shirt ist witzig, aber es ist ein Gratismut. Keinen interessiert es, ob Ihr Muslime seid. Kann sein, dass sich der Verfassungsschutz für junge Männer interessiert, die im Keller mit Nitroglyzerin experimentieren. Oder für ein paar Jungs, die im pakistanischen Grenzgebiet Urlaub machen. Kann sein. Und wenn diese auch noch Muslime sind, nehmen die das zur Erkenntnis. Muslimsein ist kein Straftatbestand. Mitgliedschaft in einer ausländischen kriminellen Vereinigung hingegen schon. Es gibt keinen Generalverdacht gegen Muslime, im Gegenteil: es gibt ein Gerede von Islamophopie, das schon einsetzt, ehe überhaupt jemand den Zusammenhang zwischen dem Terror der letzen Jahreb und einer wie immer missbrauchten (oder auch nicht missbrauchten) Religion hergestellt hat, den es leider gibt.

Lieber Yussuf, lieber Mustaffa, lieber Ahmed, lieber Tonguc! Ihr tragt das lustige T-Shirt und haltet es für eine Provokation. Irrtum: Ihr dürft in einer liberalsten Gesellschaft leben, die es auf dem Erdball gibt.

Lieber Yussuf, lieber Mustaffa, lieber Ahmed, lieber Tonguc! Um herauszufinden, wo es Probleme mit Religionsfreiheit und Religionsphobien auf diesem Erdball gibt, mache ich Euch einen Vorschlag. Ihr zieht Euch ein T-Shirt über mit der Aufschrift: “Don’t panic, I’m a christian” an. Und damit geht Ihr dann durch Riad/Saudi-Arabien. Allerdings geht ihr nicht lange, denn nach spätestens fünf Minuten wird Euch die Religionspolizei verhaften. In Saudi-Arabien ist, wie im Jemen, wie in Afghanistan kein anderer Glauben erlaubt als der Islamische.

Lieber Yussuf, lieber Mustaffa, lieber Ahmed, lieber Tonguc! Worte, die ich leider nie gesagt. Ich ging dann lieber zur Beinpresse.

September 15, 2008

Die Krawallschachtel und der Dieter Bohlen im Talar


Gloria von Turn und Taxis hat zusammen mit dem Kölner Kardinal Meissner ein Buch geschrieben. Das Buch dürfte die neueste Sternschnuppe am Himmel der Krawallmacher sein.

In “Die Fürstin und der Kardinal: Ein Gespräch über Glauben und Tradition” hauen die beiden in die Kerbe, die Peter Hahne und Eva Herrmann vorbereitet haben. Nur kommt hier der Angriff auf die liberale Gesellschaft in Form eines radikalen Christentums nach Art Evangelikaler der USA.

Eine Kostprobe gaben die beiden in der Sendung “Maischberger”. Kondome für Afrika? Niemals. Treue und Anstinenz ist die beste Verhütung. Was tun, wenn schwul? Gloria: “Beten, beten, beten!” Und dann noch das: Die Pille? Ist Abtreibung, also Mord. Abtreibung in Deutschland: eine Mordindustrie. Wir warten bereits auf aufgebrachte “Kommandos Gloria von Thurn und Taxis”, die sich mit Knarre vor deutschen “Abtreibungskliniken” postieren.

Es gehört zum Wesen der Auseinandersetzungen dieser Art, wie sie zum Beispiel Kardinal Meissner führt, dass ihnen der Widerspruch nur nützt. Es gibt ja eine Würde, die darin besteht, dass man nicht allem widersprechen muss, was halt so gesagt wird.

Aber wir langweilen uns ja ein wenig mit den ewig gleichen Argumenten der liberalen Papstgegner so wie wir uns insgesamt mit dem anything-goes langweilen, die Meissner-Masche bietet – noch und für einige – die höchstmögliche Exotik im Krawallgewerbe. Das schlimme: Auch richtige Argumente wie jene, dass das Kondom-Verbot der katholischen Kirche in Afrika verheerend ist und dass die Kirche Schuld auf sich lädt – verbrauchen sich. Was man zu oft gehört hat, verliert an Strahlkraft, vor allem, wenn es von Berufsanprangerern wie Kroymann vorgetragen wird. Und obwohl man um den Effekt weiß, findet er doch statt. Und es tritt ein Effekt auf, der Überzeugungen nur noch als abhängige Funktion der jeweiligen Rolle erscheinen läßt: Die lesbische Kabarettistin ist eben für Homo-Ehe weil sie lesbisch ist, genauso wie der Talarträger dagegen ist, weil er Talar trägt und beides ist irgendwie naturgegeben und steht gleichberechtigt nebeneinander. Meinungen sind vor allem Teil einer Folklore.

Wenn die liberalen Gegenargumente dann, wie bei Maischberger dann also von den üblichen Verdächtigen vorgetragen werden – Maren Kroymann – kriecht unaufhaltsam das Schlafbedürfnis in einem hoch. Ein ödes Rollenspiel, in dem die zuletzt auf der Bühne erscheinenden Krawallschachteln, in dem Fall Meissner und Gloria – Vorteile haben.

Lange Zeit haben die Kroymanns das Feld beherrscht, jetzt sind eben die anderen dran, die Meissners und Glorias.

Doch es gibt Trost: Kardinal Meissner spielt sich als erzkonservativer Bewahrer des Abendlandes auf und ist doch nichts anderes als ein Dieter Bohlen im Talar. Einer, der die Bedürfnisse nach Krawall, einer, der die Logik der vielzitierten Aufmerksamkeitsökonomie genauso fulminant bedient wie Bohlen oder Gina-Lisa oder Sarah Connor: White Trash im schwarzen Talar.

Die Säkularisierung ist unumkehrbar. Und sogenannte “konservative” Aufwallungen sind nicht radikale Opposition gegen, sondern längst Teil einer Popkultur geworden mit der entsprechenden Halbwertszeit.

Sie bestätigen also, was sie zu bekämpfen vorgeben. “Konservative” (damit soll ja meistens etwas Nobles und Elitäres gemeint sein) gibt es gar nicht mehr und gab es in Deutschland in der Form, wie das immer herbeifantasiert wird, als Edelmann englischer Art, auch nie. Gäbe es welche, würden wir nicht von Ihnen erfahren, denn sie würden über Pausenclowns wie Meissner nur die Nase rümpfen und peinlich berührt schweigen.

Kardinal Meissner weiß das, er weiß, dass seine Schlacht, die er pro forma weiterführt, längst verloren ist.

Auch der Papst weiß das. Es ist überliefert, dass Benedikt bei kollektiven Aufwallungen in Woodstock-Art wie dem “Weltjugendtag” keineswegs ein gutes Gefühl hatte. Er ahnte oder wusste, dass nach den frommen Tagen die Müllabfuhr Kondome aufsammeln muß. Gebrauchte natürlich.

September 1, 2008

Die Deutschen und das Böse: John McCain

Die deutsche Obama-Begeisterung hatte ja von Anfang an etwas äußerst unangenehmes und versteckt Rassistisches: Der schwarze Mann war aus der Sicht der Deutschen nicht etwa die Verkörperung des amerikanischen Traumes (über den die Deutschen zumeist nur höhnisch lachen oder sich gönnerhaft ironisch auslassen), er, der Amerikaner wurde gar nicht als solcher wahrgenommen, sondern sollte die Leitfigur der Anti-Amerikaner sein. Obama wurde gar selbst als Anti-Amerikaner qua Hautfarbe und Biografie wahrgenommen. Er sollte den deutschen Anti-Amerikanismus heilen, in dem er als Projektionsfläche diente für ein Amerika, wie es SPD-Parteitage gern beschließen würden. Natürlich und von Anfang an sehr deutlich war dies ein fundamentaler Irrtum.

Am absolut respektablen Obama-Gegenkandidat John McCain kann sich die deutsche Strasse nun so richtig austoben. Es scheint den Deutschen komplett neu zu sein, dass zu einer demokratischen Wahl zwei Kandidaten gehören - das Obama-Fachblatt “Der Spiegel” gab sich ganz überrascht: “Wie McCain doch noch gewinnen kann”, so als sei diese Möglichkeit einer Obama-Niederlage und freier Wahlen in den USA qua Beschluss der Spiegel-Redakteursversammlung bis dato aus der Wirklichkeit verbannt gewesen.

Das Meinungspanaorama zu McCain muss erschrecken, weil es gar nicht vorhanden ist: es gibt nur eine Meinung zu dem äusserst ehrwürdigen Mann aus Arizona: Furchtbar, ein Kriegstreiber, der neue Cowboy, eine Katastrophe für die Welt. Gegenmeinungen: keine.

Alleine das reicht, um sich ernsthafte Sorgen um das Urteilsvermögen der Deutschen zu machen. Der McCain-Hass zeigt jetzt noch deutlicher, was der Obama-Hype, der zum Teil als Gegenbeweis zur Anti-Amerikanismus-These herhalten sollte, wert ist: nichts. Die Obamamania widerlegte nicht den latenten und offensichtlich unauslöschbaren deutschen Antiamerikanismus – er bestätigte ihn.

Es ist eben etwas anderes, ob der “Economist” eine durchaus kritische, sehr nuancenreiche, aber eben vorurteilsfreie Geschichte über den Senator aus Arizona schreibt, oder ob wir in den “Spiegel”-Leserbriefen zur McCain Titelgeschichte dieses hier lesen:

“Das Schicksal bewahre die Welt vor einem Präsidenten McCain. Er träumt von einer Weltherrschaft der USA mit Hilfe einer Liga der Demokratien, gemeint ist eine zusammengewürfelte Legion unter einem amerikanischem Kommando. Ein Vorläufer ist die Nato, die heute richtiger North American Tactical Organization heißen müsste. Mit Zustimmung naiver EU-Politiker, vor allem Neu-Europäer im Osten, ist es den Amerikanern gelungen, Europa für ihre Einkreisungspolitik gegen Russland zu gewinnen”.

Was soll man Wolf Wehrhahn aus Mallorca (!) wünschen? Einkreisungspolitik durch neureiche russische Touristen am Pool mittels frühmorgens ausgelegter Handtücher wäre das mindeste.

Nein, es bleibt dabei und wenn wir uns auf den Kopf stellen: Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika.

Und jetzt alle!

Man kann dagegen nichts machen, das ist tiefenpsychologisch in den untersten Schichten der deutschen Seele festbetoniert. Das ist den Deutschen einfach nicht auszutreiben. Man muss es aufgeben.

Sie glauben nicht, dass es noch primitiver geht? Dann lauschen Sie, welche Erkenntnisse Matthias-Lutz Grosskopf zu Amerika gewonnen hat:

“Mister McCain: vom Hilfssheriff (2000) zum Marschall der Vereinigten Staaten von Nordamerika (2008). Ein amerikanischer Traum - God bless you and God bless the world! Mit 71 Jahren sollte er seine Colts anschauen und zum Ergebnis kommen: ‘You don’t stand a chance!”

Aber der Ami will und will den Tipps aus dem Land der Friedliebenden, die ja bekanntlich ganz kurz davor sind, den Erdkreis mittels Entwicklungshilfe und Heidemarie Wieczorek-Zeul endgültig zu befrieden, nicht gehorchen. Der Ami bleibt beratungsresistent.

Auch und gerade dann, wenn wohlmeinende Deutsche (”Ich wünsche Amerika Obama!”) ihm erklären, warum er, der Ami ein unversbesserlicher Rassist ist. Die Deutschen haben da ja ihre Lektion gelernt, der Ami nicht. Und deshalb sollte er auf Michael Gieser (Osteel, Niedersachsen) hören, denn Deutschland ist ja bekanntlich das Land, in dem die wichtigsten Posten in Politik und Wirtschaft seit Jahren mit Schwarzen, Türken und anderen Minderheiten besetzt sind:

“Ich kann Ihnen sagen, warum Obama nicht Präsident wird. In einem Land, das wie kein anderes von Waffensucht, Rassismus und Überheblichkeit beherrscht wird, haben Gemäßigte von vorneherein nicht den Hauch einer Chance. (…) Die Amerikaner haben zuwenig Schwarze, um sich mal endlich weißzuwaschen (…).”

In dem Land, das wie kein anderes vom Rassismus beherrscht wird, hat sich bekanntlich ein Schwarzer so nah wie noch nie an das höchste Staatsamt herangearbeitet. Ein historischer, ein großer Moment.

Aber das zählt nichts. Das provoziert höchstens hämische Kritik von Rassismus-Experten aus einem Land, in dem türkische Traumkarrieren beim Amt des Ausländerbeauftragten enden.

Manchmal fragt man sich: das mit dem Antiamerikanismus – ist das nicht etwas langweilig und übertrieben? Aber dann liest man das hier. Und ist wieder voll auf Kurs.

Ich befürchte die Deutschen brauchen aus therapeutischen Gründen dringend vier Jahre John McCain.

Ein Kandidat, den die Deutschen als den ihren auserkoren haben – gegen den müsste man fast deshalb schon schwerste Bedenken haben.

Aber ich lass mir meinen Obama nicht von Michael Gieser aus Osteel (Niedersachsen) kaputtmachen.

July 17, 2008

Wollt ihr mich fairarschen?

Das gibt es schon. Das sicher auch bald:

Fairachtung

fairalbern

Fairarschung

fairnaschen

Fairbannung

fairbeamten

Fairbindungsoffizier

fairblöden

Fairbrecher

Fairdienstzulage

Fairden an der Aller

Fairschwendung

Fairdrängung

Faireinigte Staaten

Fairerbung

Fairfassung

Fairfilmung

Fairgangenheitsbewältigung

Fairgasung

Fairgeltung

Fairgewaltigung

Fairgnügen

Brustfairgrößerung

Fairhaltenstherapeut

Fairhältniswahlrecht

fairhauen

fairprellen

fairhätscheln

Fairhütung

Fairkehrsteilnehmer

fairkohlen

Fairkündigung

fairlassen

Autofairleih

fairletzen

Fairleumdung

Fairlobung

Fairmessung

Fairmittlung

Erhöhung der Fairmögenssteuer

polizeiliche Fairnehmung

Fairwaltungsreform

Fairnichtungslager

Fairmummungsverbot

Fairnissage – der Künstler ist anwesend!

Fairpflegung

Fairbündeter

Fairsandhaus

Fairsammlungsfreiheit

Fairhütung

Fairschwörung

Fairschwendung

Fairsicherung

Fairsorgung

Fairsklavung

Fairstaatlichung

Fairsteckspiel

fairsteuern

Tierfairsuche

Fairteidigung

Fairtonung

Fairwertung

July 15, 2008

Der Staatsschwätzer

Peter Sloterdijk ist so etwas wie der deutsche Staatsphilosoph – unendlich und zu allem schwallt es heraus aus dem Mann mit dem Schnauzer

Wie, liebe Freunde, könnte man die Welt des Sports naheliegend und prägnant beschreiben? Peter Sloterdijk weiß es:

“In ihr feiert die meritokratische Gesellschaft ihre Grundsätze. Sie ist darum, wenn man so will, eine immanent transzendente Zone.”

Die immanent transzendente Zone mit Schnauzbart, Peter Sloterdijk, hat wieder zugeschlagen. Im Spiegel, zum Thema “Tour de France”.

Zweite Frage. Die brennt uns ganz besonders auf den Nägeln. Welcher Konfession gehört eigentlich der Radsport an?

“Der Radsport ist auch hierin strukturell katholisch: ohne Heuchelei nicht überlebensfähig.”

Nur, Peter Sloterdijk, wer ist dann der Martin Luther der Tour de France? Rudolf Scharping ist es, das hat Peterle schon abgecheckt, nicht:

“Nur Berufsheuchler wie Rudolf Scharping mussten so tun, als bräche für sie die Welt zusammen, als Jan Ullrich sich erwischen ließ. Was für ein Unfug! Seit langem ist doch jedem klar, dass ein Sportprofi immer einen zweiten Beruf ausüben muss, den des Vorbilddarstellers. Die Professionalisierung macht vor der Lüge nicht halt. Wer nicht heucheln kann, kann auch nicht Rad fahren.”

Peter kann ganz besonders gut Radfahren. Rudi hingegen bringts einfach nicht in den Augen von Peter. Macht aber nichts. Hauptsache man kann Gott und die Welt, Dies und das und jeden Scheiss und Dreck irgendwie zusammenschwafeln:

“Die Italiener können es einfach nicht fassen, dass da oben im Norden schon wieder protestantische Barbaren ihr Unwesen treiben. Die glauben im Ernst, wir sind verrückt geworden. Doch Italiener und Spanier sind Angehörige einer Kultur, in der die Abspaltung des Scheins vom Sein zur populären Metaphysik gehört. Die Deutschen, speziell die protestantischen, wollen dagegen die Wörter und die Dinge wieder zur Deckung bringen. Wir sind, glaube ich, die einzige Nation auf der Welt, wo man an ehrliche Neuanfänge glaubt. Wir bleiben unberechenbar, 1945 wurden wir demokratisch, 2007 dopingfrei.”

Man wünschte sich, der Führer wäre schon etwas früher dopingfrei geworden, er war ja dann in diesem Punkt sozusagen eher Angehöriger der Kultur, in der die Abspaltung des Scheins vom Sein zur populären Metaphysik gehört. So wie der Duce.

Auschwitz war ungültig, der Führer war gedopt. Wie sehr wir Deutschen, Angehörige einer Kultur, in der die Anspaltung von Sein und schein eben nicht zur populären  Metaphysik gehört, an den Neuanfang glauben, hat man nach 1945 gesehen. Dieser phänomenale Neuanfang ist in Filmen wie “Blumen für den Staatsanwalt”, sowie in Affären wie Globke und Witwenrente für Frau Freisler ja hinreichend festgehalten.

Wie hätte eigentlich so ein richtig schöner Neuanfang in barocker-katholischer Manier ausgesehen, also in der populär-metaphysischen Anti-Rudi-Scharping-Abspaltungskultur, die Peterle so bockstark findet? So wie in Italien, barocke metaphysische Abspaltungs-Brigate Rosse, dieser Speerspitze des locker-lebenslustigen Katholiztismus, inklusive.

Was sagt man, wenn man ausdrücken will, dass Sportler irgendwie, wie Popstars Medienstars sind, aber diese Binse nicht so banal ausdrücken kann, weil man ja Prof. Drs. Peterle Sloterdijk ist und der Anschwallpflicht unterliegt?

“Der Sport bildet eine Modellwelt, in der sich alles, was man aus der Durchschnittswelt kennt, in einer höheren Verdichtung darstellt. Hier gelten dieselben Werte wie anderswo, aber eben in Reindarstellung.”

So schwallt es weiter bis zum bitteren Ende und endgültigen Abspaltung des metaphyschen Peter Sloterdijk.

July 3, 2008

"Spekulanten sind Mörder"

Die LINKE, die tägliche Weltkatastrophe und eine Sprache im Ausnahmezustand


Seit einiger Zeit bekomme ich die Pressemeldungen der Linken. Unglaublich fleissig sind sie dort im Rosa-Luxemburg-Haus am Rosa-Luxemburg-Platz.

Doch die Welt wie die Linke sie sieht ist nicht rosa. Düster dröhnt es aus der Linken heraus. Mal ist gibt sich die Linke hochmoralisch, dann wieder als Pfennigfuchser, Im Fall des Bundeswehreinsatzes auch mal beides zusammen.

Mit derartiger Frequenz wird aus dem weissen Gebäude der Unmut über den Zustand der Welt herausgebrüllt, dass der Erregungszustand eigentlich nur einen Level kennt: Am Limit.

Die Sprache der Linken kennt eigentlich nur Superlative und wer eine Woche mit der Linken hinter sich hat, der weiss ein trausriges Lied zu singen, gespickt mit den Lieblingswörtern der linken Kitschsprache, in der die Mächtigen mindestens ignorant, wenn nicht sogar allzeit “zynisch” sind, die Linke hingegen “unbequeme Wahrheiten” ausspricht. Nun weiss jeder: Die angeblich unbequemen Wahrheoiten sind zumeist immer die bequemsten.

Man kommt also am Montag rein und holt sich erst mal einen Kaffee, liest Zeitung, ist noch ein wenig vom Wochenende mitgenommen, da bolzt schon die Linke los und gibt einem Bescheid, wie es um die Welt bestelllt ist: Schlecht. Ganz schlecht.

Denn, Pressemitteilung von Petra Pau:

“Das Schäuble-Netz wird immer engmaschiger. Keine Bürgerin und kein Bürger kann heute noch wissen, wer was über sie weiß.”

Das findet Petra Pau nicht gut. Denn in der DDR gab es in diesem Punkt ganz andere Sicherheiten. Da wusste jeder, wer was wusste, nämlich die Stasi, und was die Stasi wusste: Alles.

Kaum hat man sich von dem engmaschigen Schäuble-Schock erholt, ist das Schweinesystem Kapitalismus zum ersten mal an der Reihe.

Siemens streicht Stellen. Für Klaus Ernst ist die Lage seinem Namen dementsprechend: ernst.

“Der Siemens-Vorstand darf mit den Methoden einer kriminellen Vereinigung nicht durchkommen.”

Das Strafgesetzbuch erwartet nach Machtübernahme durch die Linken also einen neuen Straftatbestand: Wer entlässt ist kriminell.

Nach krimineller Vereinigung und engmaschigen Schäuble-Netz nimmt sich, allles noch am Montag, die Linke der Weltpolitik an. Zustand: Wie erwartet entsetzlich. Thema: Schnelle Eingreiftruppe der Bundeswehr.

“Die Schnelle Eingreiftruppe kann auch nicht den Wiederaufbau unterstützen. Denn Wiederaufbau ist mit Waffengewalt nicht zu erzwingen, sondern wird durch Krieg und Besatzung verhindert.”

Die Linke, und darauf freuen sich die Afghanen sicher schon, wird den Wiederaufbau allein mit der Kraft ihres guten Willens erzwingen. In Afghanistan fließt dann nicht mehr Blut, sondern Milch und Honig. Einfach, weil die Linke es so will!

In Afrika steht es auch nicht zum besten. Findet Hüseyin Aydin:

“DIE LINKE lehnt die von Erzbischof Desmond Tutu geforderte Entsendung von UN-Truppen nach Simbabwe ab. “Eine Lösung kann nicht von außen aufgezwungen werden, sie muss aus Afrika selbst erwachsen”, sagt Hüseyin Aydin, Obmann der Fraktion DIE LINKE im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung”

Was hilft stattdessen?

“Um die Krise in Simbabwe zu überwinden, müssen AU und SADC ihre Bemühungen, zwischen Regierung und Opposition zu vermitteln, deutlich intensivieren und zugleich Druck auf die Hardliner des Mugabe-Lagers ausüben. DIE LINKE fordert Bundesregierung und EU auf, den Vermittlungsprozess durch finanzielle Hilfen und politische Unterstützungsangebote zu fördern.”

Haben Sie’s verstanden? Wie soll jetzt noch mal das Terroregime von Mugabe an einer weiteren ZUgabe gehindert werden? Irgendwas mit Unterstützungsangeboten. George W. Bush hilf. Ein paar Marines wären auch nicht schlecht.

Was will eigentlich die Europäische Zentralbank. Herbert Schui weiss es:

“Sie will mit hohen Zinsen die Arbeitslosigkeit nach oben treiben, bis die Nachfrage nach Energie und Lebensmitteln deutlich nachlässt.”

Aha, das will sie also, die Europäische Zentralbank, in der man in der Vorstelleung von Herbert Schui garantiert mit Zigaren und Melone, also so wie in einem Dix-Gemälde herumsitzt und nur ein Ziel hat: Den kleinen Mann in die Verzweriflung und das Elend treiben.

Was ist die Alternative? Es war nicht alles schlecht in der DDR:

“Die Rekordinflation muss anders bekämpft werden. Bei Energie und Lebensmitteln sind wirksame Preiskontrollen notwendig.”

So wie in der DDR. Das Benzin war da ganz billig. Es gab nur nicht so viel davon.

Nach einigen wie immer höchst alarmierenden 10-Zeilern zur “Erwerbsminderungsrenten” und zum “Haushaltsentwurf 2009” (Alles Scheisse), sowie einer kryptischen Meldung aus dem Hause Dieter Dehm (“Köhler legt Lissabon auf Eis”), steuert die Linke, nach Schäuble-Netz, EZB-Schweinen und Siemens-Verbrechern auf die Kür des Links-Empörungs-Kitsches zu.

Es ist die Quintessenz der Linken, wenn Ulrich Maurer mal eben so aus dem Handgelenk geschüttelt bekannt gibt:

“Spekulanten sind Mörder”

Zu den neuesten Meldungen aus den USA, wonach Hedge-Fonds das Spekulieren mit steigenden Lebensmittelpreisen verboten werden soll, erklärt Ulrich Maurer, parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE:

“Selbst im Land des unbegrenzten Kapitalismus gibt es jetzt erste Bestrebungen, Hedge-Fonds die menschenverachtende Spekulation mit Lebensmitteln zu verbieten. In Deutschland ist man so weit noch lange nicht, man übt sich in der Vogel-Strauß-Taktik und steckt den Kopf vor den ach so bösen Heuschrecken in den Sand. Fakt ist aber:  Spekulanten sind Mörder.”

Fast möchte man nach diesem Metapherngewitter, vollgestopft mit allen Klischees, die die Linke zur Verfügung hat in den altbekannten DDR-Chor einstimmen:

Der Maurer muss weg!

Am Donnerstag schließlich meldet sich noch einmal die umtriebige Gesine Lötsch zu Wort. Ganz genau weiss sie nicht, was sie mehr aufregt.

Das Geld oder die Gewehre. Gesine weiss wutentbrannt über Verschwendung in Afghanistan zu berichten:

“Offensichtlich gelten für den Verteidigungsminister ganz besondere Regeln. Wenn es um die Finanzierung eines ausweglosen Krieges geht, da spielt auf einmal Geld keine Rolle, da ist von Sparsamkeit keine Rede mehr, da kann man auch ohne Kostenvoranschlag in den Krieg ziehen.

Am Hindukusch wird zwar nicht unsere Freiheit verteidigt, dafür aber werden unsere Steuergelder verbrannt.”

Und so endet die LINKE-Woche mit einer skurrilen Mischung aus streberhaftem Buchhalter-Gemaule gepaart mit schlaumeierischer Zitat-Abwandlung.

Es ist diese dröhnende metapherngesätigte, auftrumpfende immer zu dick auftragende Sprache der Dauererregten, die einem die Linke so zur Hölle werden läßt.

Lesen tuts wahrscheinlich eh keiner. Außer mir.