February 6, 2008

Gulaschkanonen

Die Ungarn sind ein sympathisches Völkchen, das zwar ständig überrollt, über den Tisch gezogen, und besetzt wird, aber dennoch nicht seinen Humor verliert.

1242 kamen die Mongolen über das Land und verwüsteten es. Mitte des 16. Jahrhunderts kamen die Türken mit einschlägigen Absichten an die Donau und 1945 die Russen.

1954 schließlich kam Fritz Walter. Er drang in den ungarischen Strafraum ein, aus dem Hintergrund musste Rahn schießen und er tat es auch. 3:2 für Deutschland. All das musste das kleine Land ertragen und brachte sympathischerweise doch nie anderes gegen seine Feinde in Stellung als Gulaschkanonen.

In einer Werbekampagne namens “Budapest Winter Invasion” fassen die Ungarn nun ihre eigene Geschichte, die eine Geschichte der Invasionen ist, unglaublich spaßig zusammen. Diese Sätze haben es nun wirklich in sich: “Nach 400 Jahren Römern, 150 Jahren Ottomanen und 45 Jahren Sowjets werden Sie die ersten sein, die wir einladen, länger in Budapest zu bleiben.”

Das ist zunächst ein tolles Zitat aus einer Zeit, in der in kommunistischer Verschleierungssprache die Sowjets, wenn sie ein Land überfielen, angeblich immer “eingeladen” wurden. Wie die meisten wissen, nahmen die Sowjets die “Einladungen” immer gern an und kamen in ihren beliebten Reisefahrzeugen mit Ketten und Kanonenrohren daran angereist.

Was aber wollen uns die Ungarn mit solchen hintergründigen Formulierungen sagen? Dass Touristen auch nichts anderes sind als Überfallkommandos? Ist dies eine Fundamentalkritik am Massentourismus? Wollen Sie aber nun der Erste sein, der nach den Sowjets “eingeladen” wird “länger zu bleiben” und genauso freundlich empfangen wird wie anno 1956 die Russen?

Die Urlaubs-Kampagne “Budapest Winter Invasion” hat jedenfalls viel Humor. Und sie ist ausbaufähig ebenso für Städte wie Prag, Vilnius oder Kabul – alles Städte, die nach ungarischer Lesart im Laufe der Zeit “Einladungen” an die Sowjets aussprachen, doch “länger zu bleiben”.