March 20, 2008

Die westliche Star Alliance

(siehe Bild unten)

“We”/”Support”/”Our troops” – es sind gleich drei Begriffe, die Deutsche nicht können.

In Deutschland kennt man kein politisches “Wir”, es sei denn in der unagenehmsten Weise, in der es keine Parteien mehr gibt. Anders Amerika: nirgendwo gibt es mehr Streit, aber die Truppen, sind sie denn ausgerückt sind “unsere” und die werden selbstverständlich “unterstützt”.

“Unsere Truppen” gibt es hierzulande nicht, deren Existenz und deren Aufenthalt in Afghanistan wird peinlich verschwiegen. Und “unterstützt” wird dieser schon gar nicht, denn Deutsche wollen vor allem eins: unschuldig sein.

So ist diese amerikanische Sprache ein ewiger Affront gegen die deutsche Seele.

Ein deutsches Seelchen marschierte denn auch direkt in das nächste Flugzeug, das ich betrat, eine Boeing 767 der Delta Airlines.

“I am not at war” lautete der Button, den die grauhaarige Dame von Platz 29A auf dem Flug von New York nach Berlin trug. Erst hielt ich sie für die übliche liberale Ostküsten-Oma. Dann wäre es wenigstens ein amerikanischer Fundamentalirrtum gewesen, den man als übliche New Yorker Folklore gern hinnimmt.

Doch es war eine Deutsche. Die Vorstellung, dass eine deutsche Missionarin mit diesem Button durch New Yorker Strassen marschiert um den Amis mal so richtig beizubiegen, was für Schweine sie sind und wie einfach das Gute siegen kann, das liess mich peinlich berührt in den Sitz sinken. Es sind genau diese Momente, in denen ich mich schäme, Deutscher zu sein.

Viel reden solche Omas wahrscheinlich von der “Unfähigkeit zu trauern” und ähnlichem Kitsch. Von der Unfähigkeit zur Unpeinlichkeit, stattdessen von der Fähigkeit zur Schamlosigkeit wird leider zu wenig gesprochen in diesem Land.

Zum Glück sass neben mir ein zugewanderter Pole. Den hätte die Button-Oma mal fragen können, was er davon gehalten hätte, Jaruzelski 1981 mit dem Button “Ich bin nicht im Kriegsrecht” in die Schranken zu weisen.

Ich hatte gehofft, dass die Rückkehr in die deutsche Neurose nicht schon in einem amerikanischem Flugzeug beginnen würde, dass ich sie noch ein bisschen aufschieben könnte.

Zum Glück waren die Cheerleaders der Chicago Bulls an Bord. Diese All-American Girls versöhnten mich wieder.

“Wir unterstützen unsere Truppen in Afghanistan” – auf diesen Aufkleber muss ich wohl vergeblich warten. Auf den Lufthansa Jets steht “Halle” oder “Mönchengladbach”.

Deutschland, eine Weltprovinz.