September 1, 2008

Die Deutschen und das Böse: John McCain

Die deutsche Obama-Begeisterung hatte ja von Anfang an etwas äußerst unangenehmes und versteckt Rassistisches: Der schwarze Mann war aus der Sicht der Deutschen nicht etwa die Verkörperung des amerikanischen Traumes (über den die Deutschen zumeist nur höhnisch lachen oder sich gönnerhaft ironisch auslassen), er, der Amerikaner wurde gar nicht als solcher wahrgenommen, sondern sollte die Leitfigur der Anti-Amerikaner sein. Obama wurde gar selbst als Anti-Amerikaner qua Hautfarbe und Biografie wahrgenommen. Er sollte den deutschen Anti-Amerikanismus heilen, in dem er als Projektionsfläche diente für ein Amerika, wie es SPD-Parteitage gern beschließen würden. Natürlich und von Anfang an sehr deutlich war dies ein fundamentaler Irrtum.

Am absolut respektablen Obama-Gegenkandidat John McCain kann sich die deutsche Strasse nun so richtig austoben. Es scheint den Deutschen komplett neu zu sein, dass zu einer demokratischen Wahl zwei Kandidaten gehören - das Obama-Fachblatt “Der Spiegel” gab sich ganz überrascht: “Wie McCain doch noch gewinnen kann”, so als sei diese Möglichkeit einer Obama-Niederlage und freier Wahlen in den USA qua Beschluss der Spiegel-Redakteursversammlung bis dato aus der Wirklichkeit verbannt gewesen.

Das Meinungspanaorama zu McCain muss erschrecken, weil es gar nicht vorhanden ist: es gibt nur eine Meinung zu dem äusserst ehrwürdigen Mann aus Arizona: Furchtbar, ein Kriegstreiber, der neue Cowboy, eine Katastrophe für die Welt. Gegenmeinungen: keine.

Alleine das reicht, um sich ernsthafte Sorgen um das Urteilsvermögen der Deutschen zu machen. Der McCain-Hass zeigt jetzt noch deutlicher, was der Obama-Hype, der zum Teil als Gegenbeweis zur Anti-Amerikanismus-These herhalten sollte, wert ist: nichts. Die Obamamania widerlegte nicht den latenten und offensichtlich unauslöschbaren deutschen Antiamerikanismus – er bestätigte ihn.

Es ist eben etwas anderes, ob der “Economist” eine durchaus kritische, sehr nuancenreiche, aber eben vorurteilsfreie Geschichte über den Senator aus Arizona schreibt, oder ob wir in den “Spiegel”-Leserbriefen zur McCain Titelgeschichte dieses hier lesen:

“Das Schicksal bewahre die Welt vor einem Präsidenten McCain. Er träumt von einer Weltherrschaft der USA mit Hilfe einer Liga der Demokratien, gemeint ist eine zusammengewürfelte Legion unter einem amerikanischem Kommando. Ein Vorläufer ist die Nato, die heute richtiger North American Tactical Organization heißen müsste. Mit Zustimmung naiver EU-Politiker, vor allem Neu-Europäer im Osten, ist es den Amerikanern gelungen, Europa für ihre Einkreisungspolitik gegen Russland zu gewinnen”.

Was soll man Wolf Wehrhahn aus Mallorca (!) wünschen? Einkreisungspolitik durch neureiche russische Touristen am Pool mittels frühmorgens ausgelegter Handtücher wäre das mindeste.

Nein, es bleibt dabei und wenn wir uns auf den Kopf stellen: Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika. Das Böse ist Amerika.

Und jetzt alle!

Man kann dagegen nichts machen, das ist tiefenpsychologisch in den untersten Schichten der deutschen Seele festbetoniert. Das ist den Deutschen einfach nicht auszutreiben. Man muss es aufgeben.

Sie glauben nicht, dass es noch primitiver geht? Dann lauschen Sie, welche Erkenntnisse Matthias-Lutz Grosskopf zu Amerika gewonnen hat:

“Mister McCain: vom Hilfssheriff (2000) zum Marschall der Vereinigten Staaten von Nordamerika (2008). Ein amerikanischer Traum - God bless you and God bless the world! Mit 71 Jahren sollte er seine Colts anschauen und zum Ergebnis kommen: ‘You don’t stand a chance!”

Aber der Ami will und will den Tipps aus dem Land der Friedliebenden, die ja bekanntlich ganz kurz davor sind, den Erdkreis mittels Entwicklungshilfe und Heidemarie Wieczorek-Zeul endgültig zu befrieden, nicht gehorchen. Der Ami bleibt beratungsresistent.

Auch und gerade dann, wenn wohlmeinende Deutsche (”Ich wünsche Amerika Obama!”) ihm erklären, warum er, der Ami ein unversbesserlicher Rassist ist. Die Deutschen haben da ja ihre Lektion gelernt, der Ami nicht. Und deshalb sollte er auf Michael Gieser (Osteel, Niedersachsen) hören, denn Deutschland ist ja bekanntlich das Land, in dem die wichtigsten Posten in Politik und Wirtschaft seit Jahren mit Schwarzen, Türken und anderen Minderheiten besetzt sind:

“Ich kann Ihnen sagen, warum Obama nicht Präsident wird. In einem Land, das wie kein anderes von Waffensucht, Rassismus und Überheblichkeit beherrscht wird, haben Gemäßigte von vorneherein nicht den Hauch einer Chance. (…) Die Amerikaner haben zuwenig Schwarze, um sich mal endlich weißzuwaschen (…).”

In dem Land, das wie kein anderes vom Rassismus beherrscht wird, hat sich bekanntlich ein Schwarzer so nah wie noch nie an das höchste Staatsamt herangearbeitet. Ein historischer, ein großer Moment.

Aber das zählt nichts. Das provoziert höchstens hämische Kritik von Rassismus-Experten aus einem Land, in dem türkische Traumkarrieren beim Amt des Ausländerbeauftragten enden.

Manchmal fragt man sich: das mit dem Antiamerikanismus – ist das nicht etwas langweilig und übertrieben? Aber dann liest man das hier. Und ist wieder voll auf Kurs.

Ich befürchte die Deutschen brauchen aus therapeutischen Gründen dringend vier Jahre John McCain.

Ein Kandidat, den die Deutschen als den ihren auserkoren haben – gegen den müsste man fast deshalb schon schwerste Bedenken haben.

Aber ich lass mir meinen Obama nicht von Michael Gieser aus Osteel (Niedersachsen) kaputtmachen.