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<rss version="2.0"><channel><title>Jost Kaiser</title><link>http://jostkaiser.tumblr.com/</link><description>
“We shall negotiate freely, we shall not negotiate freedom” 
John F. Kennedy, 1961</description><generator>Tumblr (jostkaiser)</generator><item><title>60 Jahre Israel- 60 Jahre deutsche Neurose</title><description>&lt;h1&gt;&lt;b&gt;Zwischen Schwärmerei und brüsker Ablehnung. Kurze Geschichte einer Obsession	&lt;/b&gt;&lt;/h1&gt;  	&lt;script language="JavaScript" type="text/javascript"&gt; 		 	&lt;/script&gt;  2003 gab die EU-Kommission eine Umfrage in Auftrag, die nichts anderes ergab, als dass Israel wohl so etwas wie eine Großmacht sein muss. Offensichtlich allerdings nur eine Fernsehgroßmacht, die unablässig den Fernsehkasten vollmacht.&lt;br/&gt;&lt;img src="http://adserv.quality-channel.de/RealMedia/ads/adstream_lx.ads/www.vanityfair.de/agenda/artikel/858584009/Middle2/qc/VF15X11010XX3/VF15X11010XX3_1.html/3231332e3231372e37382e3739?_RM_EMPTY_" border="0" height="1" width="1"/&gt;&lt;p&gt;Das kleine Land am Mittelmeer beschäftigt die Deutschen unablässig. &lt;br/&gt;Das Wirken der philosemitischen Kitschiers wie Iris Berben und Lea Rosh hat offensichtlich nicht die gewünschte Wirkung. Längst gibt es eine Paralellwelt der Sonntagsreden mit Vollpfrofis wie Rosh und Berben an der Spitze und dann gibt es eben das: In der zitierten Umfrage kam heraus, dass 65 Prozent der Deutschen sich von Israel bedroht fühlen. 45 Prozent wiederum von den USA.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wie kann das sein? So ein kleines Land mit sechs Millionen Einwohnern, so groß wie Hessen, von dem man sich unter der Führung von Roland Koch aber eher bedroht fühlen kann als von Israel?&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wiglaf Droste hat einmal völlig zutreffend gesagt, dass viele Deutsche wohl unter Meinungsfreiheit verstünden, endlich wieder etwas gegen Juden und Israel sagen zu dürfen. Und so handelen viele Geschichten zu Israel davon, wie man das bloss anstellen kann.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Bis heute beschäftigt die Deutschen das obsessiv. Selbst Großmeister wie Heribert Prantl lässt das Thema nicht los. &lt;br/&gt;Wie es gemacht wird, hat Prantl 2006 gezeigt. Mit dem ältesten aller antisemitischen Tricks, nämlich dem, man dürfe nichts gegen Israel sagen (um es dann ausführlich zu tun).&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Bomben auf Beirut, Krieg im Gaza-Streifen, Hunderttausende auf der Flucht. Welche und wie viel Israel-Kritik ist in diesen Tagen in Deutschland erlaubt?” &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Natürlich ist jede Kritik erlaubt. Nur dass Menschen wie Prantl sie sich selbst wohl immer verkneifen (zum Glück), um sich dann irgendwann als heldenhafte Rebellen gegen ihr eigenes Ich zu präsentieren, diesen Kampf für allgemeingültig erklären.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Prantl steht in einer langen Reihe deutscher Israel-Rezeption, die einmal ganz anders angefangen hat. Doch egal, worum es ging: Immer war Israel Projektionsfläche. Reden die Deutschen über Israel, dann reden die Deutschen immer nur über sich selbst.&lt;/p&gt;   				Bis in die sechziger Jahre hinein gab es in der Bundesrepublik ein schwärmerisches Israel-Bild: Das Land der Pioniere und Kibuzzim, das fand der Deutsche, Erfinder des Gensossenschaftsgedankens, sympathisch.&lt;br/&gt;&lt;p&gt;Militärisch fühlten sich die Deutschen mit ihrer seltsamen Armee (Landser-Schnack: “Die Bundeswehr ist dazu da den Feind aufzuhalten, bis eine richtige Armee kommt”) seltsam angezogen von den Heldentaten einer richtigen Armee: Der israelischen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;So schrieb der Spiegel 1967 begeistert über “Israels Blitzkrieg”: “Mit einer Musterdemonstration stählernen Sodatentums – für die Deutschen seit jeher die imponierendste aller Eigenschaften – schossen sie sich in die Herzen jenes Volkes, in dessen Namen einst alle Juden ausgerottet werden sollten. Ausgerechnet Juden, die deutsche Nazis für feig, faul und verkommen hielten, gewannen im Gegensatz zu den deutschen Herrenmenschen schon zum dritten Mal den Krieg gegen eine erdrückende Übermacht.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das war wohl tatsächlich damals so etwas wie eine weitverbreitete Meinung im auslaufenden Wirtschaftswunderdeutschland, das seine militärischen Phantasien aufs Mini-Land am Mittelmeer projezierte.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Diese Projektion gibt es bis heute: So behauptet der Ex-GSG-9-Kommandant Ulrich K. Wegener in einem Vanity Fair-Interview, die Israelische Armee hätte unter anderem die Guerilla-Methoden der SS-Einheit “Brandenburg” studiert und übernommen – was ja wohl für die Qualität der Nazi-Truppe spreche.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;(Und es steckt ja auch in solchen und ähnlichen Bemerkungen bösartigerer Geister als Wegener, die Idee, die Nazis und die Israelis würden sich kaum unterscheiden und die Palästinenser die “Juden der Juden”, wie es in den siebziger Jahren in linksterroristischen Kreisen formuliert wurde)&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zeitgleich mit der Israel-Begeisterung, die Ende der Sechziger Jahre/Anfang der Siebziger ihren Höhepunkt erreichte (auch abzulesen zum Beispiel an der Popularität israelischer Künstler wie Abi und Esther Ofraim oder Daliah Lavi), kam ein anderer Ton auf, der, entstanden ganz links heute zum verdrängten, aber untergründig grummelnden Gefühl vieler Deutschen geworden ist.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die Sympathie für die Pionier- und Kibbutz-Nation Israel wurde von der Idee des edlen Wilden in Form vom unterdrückten Palästinenser (und später dieser wiederum vom Lateinamerikaner und Kurden) abgelöst.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das “Pali”-Tuch wurde Mode. Der Kommunarde Dieter Konzelmann hatte schon in den sechziger Jahren davon gesprochen, die Deutschen sollten ihren “Judenknacks” überwinden. Er selbst hatte vorgehabt dies zu tun, in dem er eine Bombe im jüdischen Gemeindezentrum von Westberlin platzierte.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;So radikal sind die Deutschen nun nicht in ihrer Mehrheit: Doch das mit dem “Judenknacks”, den sie sich selbst attestieren und deren Therapie viele offensichtlich für vordringlich halten – das beschäftigt die Deutschen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Eine deutsche Neurose. Eine Neurose die zum Beispiel darin besteht, dass kaum ein Land in Deutschland so hart kritisiert wird wie Israel – und dann gleichzeitig behauptet wird, “man darf nichts gegen Israel sagen”.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Eine Neurose, die darin besteht, dass der Großkommentator aus München nur unzureichend verpackt ein paar von den antisemitischen Knallern zünden kann, die jedes antisemitische Feuerwerk erst richtig schön macht. Zum Beispiel: Die Juden schaffen sich durch ihr Verhalten ihre Gegner selbst:&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Derer bedarf man nicht, um Israels Aggression im Libanon zu kritisieren, die sich als Rekrutierungshilfe für die Hizbollah erweisen wird. Man darf, muss es beklagen, dass Israel sich seine Feinde selbst züchtet und zur Verewigung eines mörderischen Konflikts beiträgt.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Israel Aggression – dabei war es umgekehrt, Israel wurde angegriffen.&lt;br/&gt;Nein, natürlich ist Israel selbst schuld.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Gegen islamistischen Fanatismus hilft israelische Selbstfanatisierung nicht. Und das Recht auf Selbstverteidigung kann nicht dazu führen, internationale Regeln wie den Schutz der Zivilbevölkerung außer Kraft zu setzen.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Selbstfanatisierung Israels – diese Infamie des Hobby-Psychologen aus München muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Unnötig zu erwähnen, dass Prantl damals Zustimmung erhalten hat. Nein, nicht Zustimmung. Hymnische Zustimmung.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Den Israelis kann das egal sein. Sie sind es gewöhnt.&lt;br/&gt;Anders als die Deutschen, die den ganzen Tag über Israel nachdenken, denken die Israelis nicht den ganzen Tag über Deutschland nach.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ähnlich verhält es sich mit den Amerikanern, denen Deutschland auch komplett schnuppe ist und die längst eher nach Asien schauen als ins verkorkste Europa.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die Israelis vertreiben sich die Zeit lieber mit der Entwicklung von Software und der Fortentwicklung von Biotechnologie, ein Gebiet auf dem sie führend sind.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Und wir machen hier einfach noch mal 60 Jahre weiter mit der Frage “Was darf, was muss man gegen Israel sagen dürfen?”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ohne mich und viel Spass dabei.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Herzlichen Glückwunsch Israel!&lt;/p&gt;</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/34916968</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/34916968</guid><pubDate>Thu, 15 May 2008 18:13:49 +0200</pubDate></item><item><title>Das deutsch-israelische Verhältnis: Besser hätte ich es selber...</title><description>&lt;img src="http://media.tumblr.com/Kdp1j50Tl9137mum1GOOZeKk_500.jpg"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das deutsch-israelische Verhältnis: Besser hätte ich es selber nicht ausdrücken können.</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/34916723</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/34916723</guid><pubDate>Thu, 15 May 2008 18:11:00 +0200</pubDate></item><item><title>“Mit sozialistischem Gruss” – Franziska Drohsel</title><description>&lt;object width="400" height="336"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/watch?v=dj2LVnSplNw"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="wmode" value="transparent"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/dj2LVnSplNw" type="application/x-shockwave-flash" width="400" height="336" wmode="transparent"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Mit sozialistischem Gruss” – Franziska Drohsel</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/32417476</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/32417476</guid><pubDate>Mon, 21 Apr 2008 16:29:54 +0200</pubDate></item><item><title>Sauberer Nazi-Sprech mit Franziska Drohsel</title><description>&lt;p&gt;&lt;i&gt;Die Juso-Vorsitzende möchte das denken, was Nazis denken, nur irgendwie sauberer ausdrücken &lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; Es gibt Menschen, die stehen morgens auf und sofort meldet sich die quälende Frage zu Wort, mit der sie schon am Abend zuvor ihren unruhigen Schlaf gesunken sind: Wie kann ich dem internationalen Finanzkapital den Garaus machen, wenn ich es wegen der Sache mit den Juden nicht mal so nennen darf? Wie den Kapitalismus fertig machen, wenn auch die Nazis gegen ihn waren? Wie kann ich wie ein Nazi denken, ohne so zu reden? &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Es ist das klassische deutsche Problem.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Franziska Drohsel, Juso-Vorsitzende, ist so eine. In der “Welt” hat sie sich Gedanken gemacht, wie man das Problem lösen könnte.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die Lösung wäre ganz einfach: Wer nicht im antikapitalistischen und dadurch zwangsläufig eben auch antisemitischem Sprachmüll versinken will, der hat nur eine Chance: er muss sich vom Antikapitalismus trennen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das will Drohsel natürlich nicht, stattdessen wird jammernd an der Sprachoberfläche des eigentlichen Problems rumgedoktert.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Drohsel über “internationales Finanzkapital”:&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“In der Wortwahl steckt unausgesprochen die Behauptung, dem negativem internationalen stehe ein positives nationales Kapital gegenüber. Dies negiert zum einen die strukturellen Zwänge ökonomischer Akteure in kapitalistischen Wirtschaftssystemen, ganz gleich, ob sie nun “national” oder “international” agieren.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das übliche Politikseminar-Geschwurbel will sagen: “internationales Finanzkapital” darf man nicht sagen, weil sonst das “nationale” zu gut wegkommt. Und bei “National” läuten alle Alarmglocken. Und damit würde außerdem nur von dem Umstand abgelenkt, dass es das Finanzkapital an sich ist, das böse ist. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Drohsel weiter: &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Lehnt sich linke Politik an diese Redeweise an, muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, antisemitisch zu argumentieren oder zumindest einer solchen Argumentation Vorschub zu leisten.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Diesen Vorwurf muss sich linke Politik nicht nur dann vollkommen zurecht Gefallen lassen, wenn sie die Worte der Nazis gebraucht, sondern es reicht auch, wenn sie deren Irrtümer teilt. Egal, in welcher Seminarsprache sie die ausdrückt. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Drohsel:&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Auch die Nationalsozialisten teilten das Kapital in “gut” und “böse” auf. Sie sprachen jedoch von “raffendem”, also spekulativem, und “schaffendem”, also produktivem Kapital. Das “raffende” Kapital wurde dann mit den Juden als deren böse Agenten identifiziert, die für alles Schlechte verantwortlich gemacht wurden und deshalb aus der Welt geschafft werden sollten. Das historische Ergebnis dürfte bekannt sein.Das Problem ist nicht der Gegensatz von gutem und schlechtem Kapitalismus, sondern der Kapitalismus an sich.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Dass das Problem rethorisch nicht zu lösen ist, weil es am ähnlichen Gedankengut von ganz rechts und ganz links liegt, darauf kommt Drohsel nicht. Sie will die saubere antikapitalistische Sprache. Aber es gibt eben keinen sauberen Antikapitalismus. Das ist das Problem.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Normalerweise sind eigentlich kreuzbrave, wirre Bürgerstöchter, die mit dem Gedanken auflaufen: “Wir brauchen eine andere Ordnung” (Drohsel im Tagesspiegel, 8.3.2008) und weiterhin ausführen: “Grundsätzlich würde das natürlich schon bedeuten, dass man das Marktprinzip als gesellschaftsstrukturierendes Element aufhebt”, zu ignorieren. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Anti-Bürgerlichkeit ist Privileg der Bürgerlichen. Anti-Kapitalismus Privileg der Menschen, die am besten im Kapitalismus leben.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das Drohsel-Problem zorniger junger Frauen löst sich irgendwann. Im schlimmsten Fall, in dem man tot in der Zelle in Stammheim liegt (Gudrun Ensslin), im besten Fall, indem nach dem Lehramts- oder wie im Fall Drohsel Jurisprudenz-Studium die Höchststrafe folgt: Der Staatsdienst oder ein gut dotierter Job im Zentrum des verhassten Systems.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Im Falle des bösen Buben Trittin folgte auf K-Gruppe und Hardcore-Kommunismus die Forderung nach einer Koalition mit der CDU. Ähnlich wird es auch bei Drohsel sein, wenn alles gut läuft.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Vorher werden unschuldige Bäume gefällt, damit Papier mit Versuchen bedruckt werden kann, die saubere antikapitalistische Sprache zu erfinden.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Natürlich vergeblich: Denn der linke und rechte Antikapitalismus gehört untrennbar zusammen, und wird immer zusammengehören, weil er aus derselben deutsch-romantischen kultupessimistischen, antiwestlichen Wurzel entstammt.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ich hatte gehofft, von der wolle sich Drohsel unter der Überschrift “Juso-Vorsitzende kritisiert linken Antisemtismus” trennen. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die Kategorien “links” und “rechts” waren nicht nur hier schon immer völlig irrelevant.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;All das wäre egal, wäre der Quatsch nicht aus dem Hirn der Nachwuchshoffnung der grossen sozialdemokratischen Partei Deutschlands entsprungen.&lt;/p&gt;</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/32417121</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/32417121</guid><pubDate>Mon, 21 Apr 2008 16:24:00 +0200</pubDate></item><item><title>So war Helmut Schmidt am besten: düster, ernst, ganz...</title><description>&lt;object width="400" height="336"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/watch?v=Ow2DUknsQ7E"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="wmode" value="transparent"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/Ow2DUknsQ7E" type="application/x-shockwave-flash" width="400" height="336" wmode="transparent"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;So war Helmut Schmidt am besten: düster, ernst, ganz Staatsraison. Im Bundestag, September 1977</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/31255771</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/31255771</guid><pubDate>Wed, 09 Apr 2008 17:31:02 +0200</pubDate></item><item><title>Schmidt! Schnauze!</title><description>&lt;p&gt;Der sogenannte “Kult” ist das Hobby der Dummen. Wo alles gleich erscheint, versprechen Schrullen und Entgleisungen von früher, auch wenn es sich nur um Dinge handelt, die einst ganz normal waren und heute nur seltsam erscheinen, Originalität und Authentizität. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Und wer sich zum “Kult”, seien es alte Schlager oder DDR-Trikots aus den 70er Jahren, oder sei es eben Helmut Schmidt bekennt, der glaubt er beweise Kennerwissen und Originalitätsempfinden. Letzteres scheitert aber schon meistens daran, dass “Kult” meistens mit geistiger Gleichschaltung und Selbstentwürdigung (man denke nur an die ironisierende Schlagerwelle der 90er) verbunden ist.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Kult” ist die entkernte Geschichtsbetrachtung für Blöde, für die es schon als Qualitäts- und Originalitätsbeweis, etwa im Falle Helmut Schmidts, reicht, dass der Mann seit 75 Jahren raucht (Rheyno White), Unmengen Cola trinkt und Schnupftabak konsumiert.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Helmut Schmidt war ein guter Kanzler. Er hat die RAF auseinandergenommen. Er hat als intelligenter Mann erkannt, was die russischen SS-20 strategisch bedeuteten, nämlich die strategische Abkoppelung von den USA. Deshalb hat er den Doppelbeschluss erfunden und gegen den Willen des Schwätzers und Amateurs Jimmy Carters und gegen den Willen hysterisierter, irrationaler  Apokalyptiker (also fast aller Deutschen) durchgesetzt. Er mochte den Moralapostel Jimmy Carter nicht. Er spielte mit Lennie Bernstein Klavier und hat mit Eschenbach und Justus Frantz ein Klavierkonzert eingespielt. Der Mann mit dem Einstecktuch hat die muffige Bundesrepublik größer erscheinen lassen, als sie war. Das ist keine schlechte Bilanz.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Doch nun sollte er schweigen, wenn er nur das zu sagen hat, was er offensichtlich zu sagen hat.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ulrike Posche hat sich im “Stern” dem Altkanzler genähert und erklärt, warum “Schmidt “Kult” ist: &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Ein Klartext-Redner ist er, einer, der sich von niemandem etwas verbieten lässt - außer vom Gesetz und seinem Gewissen. Ein Held unserer Zeit. Er sagt, was Gott verboten hat. Er will kein Ideal sein, für niemanden.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ich muss zugeben: Ich verehre Helmut Schmidt als Kanzler. Aber nur als Kanzler. Schmidt sollte nur nach seinen Taten als Bundeskanzler beurteilt werden, da schneidet er ganz gut ab.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Angesichts der Dumpf-Weisheiten jedoch, die Helmut Schmidt als sogenannter Elder Statesman verbreitet, ist er weit davon entfernt für mich ein Ideal zu sein. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Umso schlimmer, dass die schlichten Wahrheiten des Mannes aus Wandsbek in Deutschland als sensationelle Offenbarungen gefeiert werden.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Beispiele gefällig?&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Schmidt: “Sie sind sich nicht einmal über den Kosovo einig. Zehn Jahre nach der Intervention! Sie sind sich nur einig über den Bau von Drahtseilbahnen und das Beschriften von Zigarettenschachteln”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;So redet der Mann vom Stammtisch, das kommt an. Leider. Was die da oben wieder machen und dann Brüssel, das nur die Krümmung der Bananen vermisst und sich mit Zigarettenschachteln und Seilbahnen beschäftigt. Unglaublich originell vom Weltendenker. Dass die NATO das Schlachten im Kosovo beendet hat – wen interessiert das schon angesichts von Zigarettenschachteln.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Schmidt: “”Demokratischer als das Land Putins war Russland nie zuvor.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Mag sein. Aber Schmidt will sagen: Deshalb sollten wir uns nicht einmischen, wenn die Winde des Wandels durch die russische Steppe wehen und das riesige Rad der Geschichte sich dreht und ein paar Leute, Journalisten, Regierungskritiker, Freaks, zermalmt. Was soll’s. &lt;br/&gt;Schmidt steht, leider, für einen typischen sozialdemokratischen Stabilitätsfetischismus, der Politik nur als Kontakt unter offiziellen Regierungsstellen verstehen kann. Das war schon in den 70ern und achtzigern so. Anders ist es ncht zu erklären, dass die SPD, einst selbst soziale Bewegung von unten, keinerlei Interesse zeigte, sich mit der aufkeimenden Opposition sowohl in Polen (Solidarnosc) noch in der DDR ins Vernehmen zu setzen. Da sprangen die Grünen ein. Und die CIA.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zusätzlich äusserst unangenehem: Beim Thema Russland wird der alte deutsche Mythos, Russland brauche eine harte Hand, sonst sei es unregierbar aufgefahren. Eine Beleidigung, und wie schon im Fall Polen 1981, Missachtung mutiger russischer Oppositioneller. Dieser Muff aus der deutschen Ideengeschichte ist also die sensationelle Einsicht aus Hamburg, wie wir uns gegenüber Russland, das gerade wieder anfängt seine kleinen osteuropäischen Nachbarn zu bedrohen, verhalten sollten.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Auch in China wird Geschichte gemacht, auch da gibt es Opfer, aber auch da dreht sich eben das große Rad und was sind ein paar Menschenleben im grossen historischen Massstab. In China ist alles knorke, findet Schmidt:&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Es geht der Masse der 1300 Millionen Chinesen - das sind mehr als 15-mal so viel, wie wir in Deutschland haben - besser denn je. Natürlich bringt das auch Ungerechtigkeiten mit sich! Viele Leute wollen auch Auto fahren und können es sich nicht leisten. Viele Leute im Hinterland haben nicht denselben Lebensstandard wie die in Shanghai, in Hongkong oder weiß der Kuckuck. Gerechtigkeit ist doch eine Illusion”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Der Höhepunkt der Schmidtschen Gross-Weisheiten, verbunden mit einem Seitenhieb, der ja immer gut ankommt:&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Ich finde, anderen Ländern beizubringen, wie sie ihr Land einrichten sollen, das sollten wir den Amerikanern überlassen.” “Die Sachsen jubelten, klatschten, feixten wie in alten Zeiten.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zustimmungsrate wie in Honecker-Zeiten, das kann man sich vorstellen. Welche Niedertracht darin steckt, dass der Satz von einem Mann gesagt wird, dessen Land es mal ganz dringend nötig hatte, von den Amerikanern gesagt zu bekommen, wie man es einrichten sollte -– haben es die Zuhörer mitbekommen? Oder ist der Ossi-Antiamerikanismus mit dem gehobenen Sozi-Antiamerikanismus endlich ein Bündnis eingegangen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nochmal: Helmut Schmidt war ein guter Bundeskanzler. Danach sollte man ihn beurteilen. Und den Fernseher ausschalten, wenn der Elder-Statesman seine Weisheiten auspackt.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Unfassbar, dass die Überlegungen einen Mannes, der selten das Niveau eines Wirthaus-Grantlers überschreitet, in Deutschland als Offenbarungen gelten. &lt;/p&gt;</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/31254362</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/31254362</guid><pubDate>Wed, 09 Apr 2008 17:13:00 +0200</pubDate></item><item><title>Ausgeleierte Gesichter, Alkoholismus, der Daumen mental immer...</title><description>&lt;object width="400" height="336"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/watch?v=D-8CXwg_SSs"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="wmode" value="transparent"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/D-8CXwg_SSs" type="application/x-shockwave-flash" width="400" height="336" wmode="transparent"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ausgeleierte Gesichter, Alkoholismus, der Daumen mental immer hinterm Hosenträger: Der “Doppelpass” ist Deutschlands beste Studie eines untergehenden Fussball-Fanmilieus</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/30946330</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/30946330</guid><pubDate>Sun, 06 Apr 2008 15:35:45 +0200</pubDate></item><item><title>Hymmne an den "Doppelpass"</title><description>&lt;p&gt;Wer in Berlin in das Café “FC Magnet” geht, kommt in die Hölle. Es ist die Zitatenhölle des Berliner Trainingsjacken-Milieus. Unten im Keller klebt die Fototapete mit Fussballspinden, oben ist ein Photo der “FC Magnet”-Fussballmannschaft, natürlich komplett in adidas-Oldschool-Jacken eingekleidet. Der unvermeidliche St.-Pauli-Wimpel hängt über der Theke.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Elend dieses Milieu (des gesamten sogenannten hedonistischen Milieus) ist, dass man alles ironisieren muss. Fussballanhängerschaft ist immer irgendwie ironisch, man will sich and den ehemaligen Proletensport ranschmeissen, bleibt aber natürlich Akademiker-Milieu. Man will leidenschaftlich sein –  aber es bleibt bei der Simulation. Man will maskulin sein und den Männersport zelebrieren – und simuliert sich dann doch eine Welt zusammen, in der allzeit “St. Pauli-Fans gegen rechts” sind, anstatt gegen den menschenrechtsverletzenden Klopperfussballl der eigenen Manschaft und über Gewalt die Nase gerümpft wird (während sie wohl eine unvermeidliche Begleiterscheinung der Massengesellschaft ist).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hobby-Mannschaften heissen allzeit “Blutgrätsche” oder “Abseitsfalle”. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Intelektualisierung des Fussballs hat so weite Kreise erfasst, dass Trost nirgendwo zu finden ist. Mit einer Ausnahme: Bei der Sendung Doppelpass, dem “DSF-Stammtisch” spielen die Teilnehmer ungeniert eben mit jener Stammtisch-Mentalität auf, die im “FC Magnet” nur Ironie sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Szenerie ist unwahrscheinlich und es ist verwunderlich, dass die Sendung, der einzige wirkliche letzte Ort des Fussball-Proleten, noch nicht irgendeiner Zensur zum Opfer gefallen ist: die durch Spesenrittertum und massiven Alkoholmissbruach ausgeleierten Gesichter, die männerbündische Kumpelei, die mental den Daumen immer hinterm Hosenträger hat, der ungezügelte Stammtisch-Populismus, das ungehemmte Gelabere über “Leistung bringen”, “an der eigenen Nase fassen”, das Lamentieren über “die Medienlandschaft” und der unvermeidliche Udo Lattek. Im Hintergrund pfeifen sich rotköpfige Ausflugsgruppen dazu das dritte Warsteiner rein. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Doppelpass ist so angenehm, weil der Staamtisch sich in einem Bereich austoben kann, in dem er keinen Schaden anrichtet: Im Fussball. Man kann sich an etwas erfreuen, das, wenn es zum Beispiel um Politik ginge, einem zuwider wäre.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man möchte nicht wissen, was Udo Lattek über die da oben, oder die Steuerreformm oder Hartz IV denkt. Man will von Udo einen Spruch über Klinsi, Kevin und Ollie. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;All das Personal, von Lattek bis Basler ist einem ja irgendwie so schon zuwider, aber es ist unterhaltsam, solange es mit seinen Mentalitäten, die anderswo gefährlich wären keinen  Schaden anrichten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn das, was im Fussball der Versager ist, der “keine Leistung bringt”, das würde am Politik-Stammtisch zur “sozialen Hängematte”.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sonntags um 12 sind wir dabei, wenn der Doppelpass kommt. Es steht zu befürchten, dass das Milieu, deren Hobby-Mannschaften immer “Blutgrätsche” oder “Abseitsfalle” heissen, das Trainingsjacken-Milieu, das längst auch weiss. Denn nichts suchen diese blutarmen Ironiker mehr als ” Authentizität”. Hier ist sie.&lt;/p&gt;</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/30946216</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/30946216</guid><pubDate>Sun, 06 Apr 2008 15:34:00 +0200</pubDate></item><item><title>Schimanski hatte dicke Eier: “Duisburg-Ruhrort”,...</title><description>&lt;object width="400" height="336"&gt;&lt;param name="movie" value="http://www.youtube.com/watch?v=lyywMc6dd6I"&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name="wmode" value="transparent"&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src="http://www.youtube.com/v/lyywMc6dd6I" type="application/x-shockwave-flash" width="400" height="336" wmode="transparent"&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Schimanski hatte dicke Eier: “Duisburg-Ruhrort”, 1981. Regie: Hajo Gies.</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/30679410</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/30679410</guid><pubDate>Thu, 03 Apr 2008 16:52:23 +0200</pubDate></item><item><title>Neue Heimat: Duisburg-Ruhrort, 1981</title><description>&lt;p&gt;1981, die Friedensbewegung hatte ihren Höhepunkt erreicht und eine linksnationalistische, müffelnde Verbundenheit mit dem Lokalen eingeführt (“Grassroots”), da kam Schimi und zeigte, wie ein unkitschiger, ernüchternder Heimatfilm geht. “Duisburg-Ruhrort” von 1981, der erste Schimanski-Tatort, war eben vor allem das: ein Heimatfilm.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und er zeigte diese Heimat nicht verklärend, nach dem Motto: hässlich, aber die Leute sind ja so nett, Schimanski rennt durch eine absterbende Industrielandschaft. Es gibt keine Romantik in den Duisburger Fabrikruinen, es gibt keinen Charme der gescheiterten Existenzen und Alkoholiker – den emfinden immer nur Studenten auf der Suche nach dem “Echten – es gibt nur einen Schimi, der weggehen würde, wenn er nur könnte, aber er kann nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schimanski wird in einer späteren Folge sagen: “Verdammt, ich will weg”. Thanner: “Dann spar doch dein Geld und verzockts nicht immer.” &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee, dass schmudellig authentisch ist (und Authentizität ist ja die harte Währung für lustige, moderne Grossstadtbewohner) hat hier keine Chance.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schon die Exposition von Duisburg-Ruhrort illustriert diese Desillusionierung. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schimanski ist gerade aufgestanden. Sein erster Gang in seinem billig eingerichteten Appartement führt ihn ans Fenster. Er sieht die untergehende Industrielandschaft des Ruhrgebiets. Er sucht etwas zu Essen. Im Kühlschrank findet er nur drei Eier, die er nicht braten kann, denn das gesamte Geschirr ist in der Spüle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schließlich kippt er die rohen Eier in einem Glas wie einen Klaren herunter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dazu läuft der Song “Leader of the pack” von den Shangri-Las: &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;I met him at the candy store&lt;br/&gt;He turned around and smiled at me - you get the picture&lt;br/&gt;Thats when I fell for - the leader of the pack&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;My folks were always putting him down&lt;br/&gt;They said he came from the wrong side of town&lt;br/&gt;They told me he was bad&lt;br/&gt;But I knew he was sad&lt;br/&gt;Thats why I fell for - the leader of the pack.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;One day my dad said “find someone new”&lt;br/&gt;I had to tell my Jim we were through&lt;br/&gt;He stood there and asked me why&lt;br/&gt;But all I could do was cry&lt;br/&gt;Im sorry I hurt you - the leader of the pack.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;He sort of smiled and kissed me goodbye&lt;br/&gt;The tears were beginning to show&lt;br/&gt;And as he left me on that rainy night&lt;br/&gt;I begged him to go slow&lt;br/&gt;But whether he heard, Ill never know&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;I felt so helpless - what could I do?&lt;br/&gt;Remembering all the things wed been through&lt;br/&gt;At school they all stop and stare&lt;br/&gt;I cant hide the tears, but I dont care&lt;br/&gt;Ill never forget you - the leader of the pack.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;The leader of the pack - now hes gone&lt;br/&gt;The leader of the pack - now hes gone&lt;br/&gt;The leader of the pack - now hes gone….. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br/&gt;Die verlogene Ruhrpott-Romantik wird hier gründlich auseinandergenommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Idee schmuddelig ist romantisch (wenn es nicht zu schmuddelig ist und ein Bioladen in der Nähe ist) lebt fort in den Hirnen von Studenten und liberalen Freiberuflern, deren Urangst es ist in “zu schicken” Stadtteilen zu leben, die nicht “authentisch” sind und die gerade deshalb in Disneyland-Stadtteilen wie Berlin-Prenzlauer Berg enden müssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Witz: in Berlin zum Beispiel ist der Westen jetzt der Osten und der Osten der Westen. In Prenzlauer Berg bestimmen jetzt aus dem Westen zugezogene Beamten und Freiberufler die Richtung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Gegend um den Bahnhof Zoo himgegen sieht es aus wie in Bukarest, ca. 1984. &lt;/p&gt;Keiner von denen Prenzl’ Berg-Bewohnern würde jemals in Duisburg-Ruhrort wohnen wollen, oder in Berlin-Wedding oder München-Moosach, obwohl der Niedergang, das Schmuddelige, das Elend der Unterschicht dort sehr real, sehr “authentisch” ist.&lt;br/&gt;&lt;p&gt;So handelt Schimanski eben auch von der Dekonstruktion einer verlogenen Romantisierung. &lt;/p&gt;</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/30679099</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/30679099</guid><pubDate>Thu, 03 Apr 2008 16:49:00 +0200</pubDate></item><item><title>Die westliche Star Alliance</title><description>&lt;p&gt;(siehe Bild unten) &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;“We”/”Support”/”Our troops” – es sind gleich drei Begriffe, die Deutsche nicht können.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;In Deutschland kennt man kein politisches “Wir”, es sei denn in der unagenehmsten Weise, in der es keine Parteien mehr gibt. Anders Amerika: nirgendwo gibt es mehr Streit, aber die Truppen, sind sie denn ausgerückt sind “unsere” und die werden selbstverständlich “unterstützt”.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“Unsere Truppen” gibt es hierzulande nicht, deren Existenz und deren Aufenthalt in Afghanistan wird peinlich verschwiegen. Und “unterstützt” wird dieser schon gar nicht, denn Deutsche wollen vor allem eins: unschuldig sein. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;So ist diese amerikanische Sprache ein ewiger Affront gegen die deutsche Seele. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ein deutsches Seelchen marschierte denn auch direkt in das nächste Flugzeug, das ich betrat, eine Boeing 767 der Delta Airlines.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;“I am not at war” lautete der Button, den die grauhaarige Dame von Platz 29A auf dem Flug von New York nach Berlin trug. Erst hielt ich sie für die übliche liberale Ostküsten-Oma. Dann wäre es wenigstens ein amerikanischer Fundamentalirrtum gewesen, den man als übliche New Yorker Folklore gern hinnimmt.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Doch es war eine Deutsche. Die Vorstellung, dass eine deutsche Missionarin mit diesem Button durch New Yorker Strassen marschiert um den Amis mal so richtig beizubiegen, was für Schweine sie sind und wie einfach das Gute siegen kann, das liess mich peinlich berührt in den Sitz sinken. Es sind genau diese Momente, in denen ich mich schäme, Deutscher zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viel reden solche Omas wahrscheinlich von der “Unfähigkeit zu trauern” und ähnlichem Kitsch. Von der Unfähigkeit zur Unpeinlichkeit, stattdessen von der Fähigkeit zur Schamlosigkeit wird leider zu wenig gesprochen in diesem Land. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Glück sass neben mir ein zugewanderter Pole. Den hätte die Button-Oma mal fragen können, was er davon gehalten hätte, Jaruzelski 1981 mit dem Button “Ich bin nicht im Kriegsrecht” in die Schranken zu weisen.  &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich hatte gehofft, dass die Rückkehr in die deutsche Neurose nicht schon in einem amerikanischem Flugzeug beginnen würde, dass ich sie noch ein bisschen aufschieben könnte. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Glück waren die Cheerleaders der Chicago Bulls an Bord. Diese All-American Girls versöhnten mich wieder. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;“Wir unterstützen unsere Truppen in Afghanistan” – auf diesen Aufkleber muss ich wohl vergeblich warten. Auf den Lufthansa Jets steht “Halle” oder “Mönchengladbach”. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deutschland, eine Weltprovinz.&lt;/p&gt;</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/29412484</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/29412484</guid><pubDate>Thu, 20 Mar 2008 21:07:00 +0100</pubDate></item><item><title>Love is in the air - gesehen auf US2611 Charlotte, N.C. – New...</title><description>&lt;img src="http://media.tumblr.com/Kdp1j50Tl6talwl3HAqYhPT1_500.jpg"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Love is in the air - gesehen auf US2611 Charlotte, N.C. – New York JFK, 17.3.2008</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/29412074</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/29412074</guid><pubDate>Thu, 20 Mar 2008 20:59:00 +0100</pubDate></item><item><title>Das München 72-Logo war identisch mit dem der Glücksspirale.</title><description>&lt;img src="http://media.tumblr.com/Kdp1j50Tl67kl1n8w6jbzN25_500.jpg"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das München 72-Logo war identisch mit dem der Glücksspirale.</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28024671</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28024671</guid><pubDate>Wed, 05 Mar 2008 16:08:40 +0100</pubDate></item><item><title>Kurt Edelhagen. Er wollte nur spielen.</title><description>&lt;img src="http://media.tumblr.com/Kdp1j50Tl67kjd1nVBAGGWZ4_500.jpg"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Kurt Edelhagen. Er wollte nur spielen.</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28024635</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28024635</guid><pubDate>Wed, 05 Mar 2008 16:07:21 +0100</pubDate></item><item><title>Er nicht.</title><description>&lt;img src="http://media.tumblr.com/Kdp1j50Tl67kin00iO0Rmq87_500.jpg"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Er nicht.</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28024624</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28024624</guid><pubDate>Wed, 05 Mar 2008 16:06:47 +0100</pubDate></item><item><title>Er brachte Vietnam nach München 1972: Bell UH-1D.</title><description>&lt;img src="http://media.tumblr.com/Kdp1j50Tl67kgwt9r2yG4WYP_500.jpg"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Er brachte Vietnam nach München 1972: Bell UH-1D.</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28024582</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28024582</guid><pubDate>Wed, 05 Mar 2008 16:05:26 +0100</pubDate></item><item><title>VW 181. Den hatten die Münchner Designer nicht in den Fingern.</title><description>&lt;img src="http://media.tumblr.com/Kdp1j50Tl67kchi5qbwmCCUc_500.jpg"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;VW 181. Den hatten die Münchner Designer nicht in den Fingern.</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28024473</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28024473</guid><pubDate>Wed, 05 Mar 2008 16:02:01 +0100</pubDate></item><item><title>München 1972 – das Design der Bundesrepublik</title><description>&lt;p&gt;Die Siebziger Jahre gingen am 5. September 1972 um vier Uhr Morgens zu Ende, als sieben Männer um 4:30 bei Tor 25a  in das Olympiadorf in München einstiegen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Männer des Black September trugen erst die Uniform der heiteren Spiele, Adidas-Trainingsanzüge, die heute wieder modern sind, später dann die Uniform der Fedayin, samt AK-47. Folklore war zu der Zeit beides. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie brachten einen nationalstaatlichen Konflikt in eine nahezu surreale Zone der postnationalen Inszenierung, in der es keine Nationen mehr gab, keine Uniformen, keinen Staat und keine Staatsorgane.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das olympische Dorf war quasi zur exterritorialen Zone erklärt worden. Polizisten trugen keine Waffen, sondern himmelblaue Uniformen, die extra designt worden waren und ein wenig an Miami Vice erinnerten. Vom Legalitätsprinzip, das sie gezwungen hätte, jede Straftat, vom Cola-Dosen-Klau angefangen, zu verfolgen, waren sie befreit. Sie waren keine Bullen, sondern frühe Formen dessen, was man jetzt auch immer in Berlin sieht: Lustige Männchen mit Kappen, die keine schlagende Verbindung, sondern “Deeskalations-Teams” bildeten. &lt;/p&gt;Ein paar Tage vor dem 5. September hatte Bandleader Kurt Edelhagen ein Orchester dirigiert, dessen Sound klarmachte, dass die Bundesrepublik keine Nation sein wollte, dass es überhaupt keine Nationen mehr geben würde, sondern dass, was früher Nationen waren, heute nur noch als Zwei-Minuten-Folklore-Einsprengsel im egalitären Disco-Pop eines Potpourris (wie man damals sagte) möglich sein würde. Die nivellierte Mittelstandsgesellschaft Bundesrepublik hatte eine Botschaft an die Welt. Bildet die nivellierte Weltgeselschaft!&lt;br/&gt;&lt;p&gt;Klangteppichhändler Edelhagen (und sein Kumpel, der Bandleader Peter Herbolzheimer) hatten für den Einzug der Nationen extra kleine Folklore-Popstücke für seinen bläserseeligen James-Last-Sound komponiert, die statt der Nationalhymmnen erklangen. Das Kurt-Edelhagen-Orchester hatte das Konzept der Nation regelrecht aus dem luftigen Rund des Olympiastadions herausgeblasen. Nation: das ist ein bisschen erfundene Folklore. Mehr nicht. Pop hatte gesiegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das “Potpourri” der United Nations liest sich so:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A1b                         Griechenland: Griechsche Sommernacht A1c                         Argentinien: Fiesta Argentina                        &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A1d                         Brasilien: On Way To Brasil                        A2a                         England: Mr. Big Ben &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A2b Nigeria: African Sunset                        A2c                         UDSSR: Song For Natascha                        &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A3a                         Spanien: Flores d’España                        A3b                         Korea: Hongkong Parade                        &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;A3c                         USA: Washington Walk                        A3d                         DDR: An Der Elbe                        &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B1a                         Mexico: Mexican Party                        B1b                         Puerto Rico: Noche De Puerto Rico                        &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B1c                         Rumänien: Rumania Trip                        B2a                         Frankreich: La Belle Parisienne                        &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B2b                         Japan: Sukiyaki Blues                        B2c                         Italien: Coup San Remo                        &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B2d                         Uganda: African Lady                        B3a                         Irland: Irish Coffee                        B3b                         Kenia: Stompin Safari                        &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;B3c                         Bundesrepublik: Hoch Auf Dem Gelben Wagen Auf, Du Junger Wandersmann Horch, Was Kommt Von Draussen Rein&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; Das Blutsauger-Land des Idi Amin als Heimat der “African Lady”, GULAg-Fan Breschnew als Vorsteher des Landes, in dem fröhlich der “Song for Natasha” geträllert wird, und eine Reise ins Securitate-Land Rumänien wird zum “Rumania Trip”. Nationen gibt es nicht mehr an diesem 24. August im Münchner Olympiastadion. Es gibt nur noch Urlaubsländer, “Destinationen” für den Reiseweltmeister Deutschland. Die UN ist in Wahrheit der Grand Prix de Chansons.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine schöne Utopie. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am 5. September brach dieses postnationale Popkultur-Design der Bundesrepublik in sich zusammen. Brutaler konnte ein nationaler Konflikt nicht in dieses Nirvana der besten Bundesrepublik aller Zeiten einbrechen, die als Logo für München 72 einfach das Zeichen der Lotterie “Glückspirale” übernommen hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bonbonfarbene Design von Willy-Deutschland wurde ersetzt durch Polizisten, zunächst noch in Trainingsanzügen, später in Feldgrau, die Wehrmachtsstahlhelme trugen, die damals noch bei der bayerischen Bereitschaftspolzei (und heute noch bei der Feuerwehr) im Einsatz waren. Sie fuhren in Kübelwagen (VW 181) vor, die an den Kübel der Wehrmacht erinnerten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Später landeten Bell UH-1B-Hubschrauber auf dem Rasen vor dem Pressezentrum. Einige Sportler aus Amerika werde sich an das sonore Knattern des Helikopters erinnert haben: Es war der Vietnam-Hubschrauber. Statt Edelhagens Pop-Sound, war jetzt der Sound von Vietnam im Olympiadorf zu hören. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das exaltierte Design von München 1972 sah so aus, wie die Bundesrepublik in Wahrheit nicht war. Unter dem Design-Gipfel München 72 gab es keinen Mittelbau. Nachdem die Männer mit den himmelblauen Uniformen abgezogen waren, mussten die Männer mit den Wehrmachts-Stahlhelmen und den Kübelwagen ran. Dazwischen gab es nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;München 1972 war die beste Bundesrepublik, die es jemals gab in der besten Stadt, die für diese Utopie des Egalitären 1972 zur Verfügung stand. München.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nicht umsonst war München später wiederum eine der Haupstädte des egalitären Sounds der Siebziger, Disco, dem sogenannten “Sound of Munich” mit dem Star Donna Summer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein bisschen München lebte weiter. Die Idee, dass deutsche Uniformen nicht wie deutsche Uniformen aussehen sollten, sondern wie Urlaubserinnerungen, lebte in der 1975 eingeführten bundeseinheitlichen Polizeiuniform weiter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie sieht aus wie eine Mischung aus Oberförster und Serengeti-Wildhüter.&lt;/p&gt;</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28019468</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/28019468</guid><pubDate>Wed, 05 Mar 2008 14:19:00 +0100</pubDate></item><item><title>Photo</title><description>&lt;img src="http://media.tumblr.com/Kdp1j50Tl5ryptaoqGOXbgd6_500.jpg"/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/27091524</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/27091524</guid><pubDate>Sat, 23 Feb 2008 18:00:08 +0100</pubDate></item><item><title>Der politische Film 2008: John Rambo sind wir</title><description>&lt;p&gt;Es gibt eine Tendenz im Kriegsfilm der letzten Jahrzehnte, den Kampf vor allem als inneren Kampf zu sehen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Schlussequenz von “Platoon” (1985) sagt die Off-Stimme des Helden: “We didn’t fight the enemy. We fought ourselves.” Und in einer Szene des - im übrigen grossartigen - Ridley Scott-Films “Black Hawk down”, das Geschehen ist schon zu einem apokalyptischen Gemetzel geraten, sagt ein Soldat zum anderen: “Warum machen wir das hier? Es ist für die Kameradschaft.”&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit ist der Kriegsfilm ganz auf der Höhe der Zeit einer sogenannten Postmoderne, die ebenfalls keine zu bekämpfenden äusseren Feinde mehr zu kennen vorgibt, sondern der Mensch, seine inneren psychischen Prozesse sind seine eigentlichen Feinde. Der äussere Feind ist der innere Feind. Nur in diesem Sinne konnte André Glucksmann 1989 zum hundertsten Geburtstag von Adolf Hitler allen Ernstes schreiben: “Hitler bin ich.”&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Glück gab es 1944 ein paar Jungs, die nicht der Meinung ware Hitler seien sie selbst, sondern an den Strand der Normandie fuhren, um Hitler den garaus zu machen. Aber da gab es zum Glück noch nicht die Postmoderne, sonst wären sie vielleicht zuhause geblieben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hitler sind wir alle, Vietnam sind wir alle, Irak sind wir alle. Die Apokalypse sind wir alle, der Mensch ist des Menschen Feind, der Mensch ist böse undsoweiter und sofort. So ist der Sound der Postmoderne.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau in dieser Sekunde kommt also John Rambo um die Ecke und zeigt, dass es lohnende Ziele gibt. Dass man sie benennen kann und das man sie bekämpfen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;John Rambo hat immer schon vor allem die fasziniert, die vorgaben, nur über ihn lachen zu können. Er kam mit dem Reagan-Zeitalter auf und genauso wie Reagan selbst, war die deutsche Friedensbewegung in Wahrheit zutiefst fasziniert von einem, der das tat, was sie nicht konnte, sich insgeheim aber wünschte: klare Feinde benennen. Zum Beispiel die Sowjetunion mit ihren Gulags als das zu bezeichnen, was sie war: ein evil empire. Für die Friedensbewegung war alles dasselbe: Russen, Amerikaner, wir, die. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jetzt kommt John Rambo wieder und wieder kommt auch ein klarer Feind. Und das kam so. “Ich rief beim Magazin Soldier of Fortune und bei den Vereinten Nationen an. Ich fragte: ‘Wo auf unserer Erde werden die Menschenrechte am offensichtlichsten und schlimmsten mit Füssen getreten, ohne dass darüber nennenswert berichtet wird?’ Die Antwort war: Birma.’”, erzählt Sylvester Stallone.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man würde sich wünschen, dass sich mehr Leute eine solch einfache Vorgehensweise entscheiden, um etwas über die Welt zu erfahren. Aber da ist wohl amnesty international vor, das in diesem Bereich einen 1a-Ruf geniesst. Geht man einen deutschen Fussgängerzonenstand, so ging es mir jedenfalls, hatte man den Eindruck, vor allem die USA seien die grössten Menschenrechtsverletzer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sylvester Stallone hat einen schlechten Film für eine gute Sache gemacht. Der Film selbst, die dämliche Story, beschämt vielleicht den guten Geschmack. Aber er beschämt auch alle, die nur auf die Strasse gehen, wenn der Lieblingsbösewicht, die USA angeblich wieder was angestellt haben. Er beschämt die Mittelschicht, die gerade noch zu mobilisieren ist, wenn der liebe Onkel aus Tibet im Lande ist und es einem zusammen mit 5.000 anderen vom Christentum enttäuschten Omas und Opas warm ums Herz wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gerade haben sich Oppositionelle Birmanesen in Singapur getroffen. Anders als sonst bei Intelektuellen, die bei Rambo ja schenkelklopfend und ironisierend sonst nur ihrer unausgesprochenen Faszination frönen, stand auch der neue John-Rambo-Film als ernsthafter politischer Film auf dem Programm. Und anders als in Deutschland, hat der Film unter den birmanesischen Oppositionellen Begeisterung ausgelöst. Zum ersten mal wird die Brutalität des barbarischen südostasiatischen Regimes wohl so gezeigt wie sie ist. Das sagen jedenfalls Birmanesen. Inklusive Menschen, die von Schweinen halb aufgefressen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Film darf natürlich in Birma nicht gesehen und nicht verkauft werden. Aber es könnte sein, dass man ihn schon jetzt als politischsten Film des Jahres zu sehen hat. Er wird schwarz in Birma gehandelt. Ein Untergrundkämpfer der KNU, die seit 60 Jahren gegen das birmanesische Regime kämpft, wird auf Inforadio Berlin mit den Worten zitiert: “John Rambo macht uns Mut. Er motiviert uns und zeigt uns, dass das Regime besiegt werden kann.”&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es könnte sein, dass ein italienischstämmiger amerikanischer Mann, ein alternder Action-Held, mehr für die birmanesische Opposition getan hat, als alle westlichen Regierungen zusammen und alle notorischen Mahner und Wahner, die über einen wie Stallone nur die Nase rümpfen würden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sylvester Stallone ist ein guter Mann. Ein sehr guter.&lt;/p&gt;</description><link>http://jostkaiser.tumblr.com/post/27091449</link><guid>http://jostkaiser.tumblr.com/post/27091449</guid><pubDate>Sat, 23 Feb 2008 17:58:00 +0100</pubDate></item></channel></rss>
